Medien : Kritisch gesehen: Kiloweise Glück

Tom Peuckert

Big Diet, RTL 2. Sie hat vorab reichlich Prügel bekommen. Wie Giftpfeile schwirrten die Vorberichte zur neuen Show durch den Blätterwald. Ihr Porträt im "Spiegel" klang so, als wolle sich der Autor als Satiriker empfehlen. Mit "Wischmop-Frisur und Hurra-ich-bebe-noch-Attitüde" laufe die Frau durch die Welt. Und sah sie in ihrem rosafarbenen Plastikjäckchen auf den großen Werbebildern nicht aus wie die perfekte Loserin? Ein Girlie, das zu lange nicht auf die Uhr geschaut hat? Sie macht da weiter, wo sie vor fünf Jahren aufgehört hat. Ohne erkennbare Zeichen von Nervosität, ohne stilistische Korrekturen. Sie weiß, dass sich über Geschmack streiten lässt. Dass es in ihrer Welt nicht um ästhetischen Glanz geht, sondern um die wirklichen Massenbedürfnisse. Das Fettsein also. Genauer: Die simple Heilsbotschaft, die in jeder Abmagerungskur steckt. Wenn du nur zwanzig Kilo leichter wärst, käme das Glück auch zu dir. Margarethe Schreinemakers macht ein Fernsehformat daraus. So wie sie vor zehn Jahren mit nichts als dem Klatsch die Medienlandschaft revolutioniert hat. Sie ist keine Extremistin. Auch wenn es einen Container und Kameraüberwachung bei ihr gibt.

Wir wollen sie alle nur ein bisschen fitter und schöner machen, beschwört sie ihre Zielgruppe. Die Kandidaten im Container werden gemeinsam Ausflüge nach draußen unternehmen, und es gibt sogar Auszeiten für Besuche und Telefonate. Man wird enormen Bauchspeck und stattliche Reithosen zu sehen bekommen, trotzdem soll die Schunkelfreude einer Volksmusiksendung herrschen. Denn die Wege zum Glück sind unerforschlich. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass einmal keifende Schwiegermütter und missratene Söhne das Nachmittagsprogramm der Privatsender dominieren. Also schweigen wir über die Entertainment-Qualitäten des öffentlichen Abspeckens. Nur die Quote liefert verlässliche Geschmacksurteile.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben