Medien : Kritisch gesehen: Längst bewältigt

Annika Ulrich

Lola. Arte. Eine Menge Gefühlausbrüche, Stoßseufzer und bewegende Geständnisse hätte man erwartet beim ersten Schwerpunktthema von "Lola", dem neuen Frauenmagazin auf Arte. An "Mütter und Töchter" und deren spannungsgeladene Beziehung hatte sich die Redaktion herangewagt. Die Protagonistinnen der Porträts und Kurzreportagen waren vielversprechend: Da war die dunkelhäutige Tochter einer weißen Mutter auf der Suche nach ihrer Identität, da war die Geschäftsführerin einer französischen Gastronomiekette, die sich den Job mit ihrer Mutter teilen muss, und da war schließlich die Berliner Filmemacherin Alfa Conradt, die den Selbstmord ihrer Mutter 26 Jahre später in dem Kurzfilm "Mutterkind" verarbeitet.

Dennoch blieb die Sendung distanziert. Das lag in erster Linie daran, dass die befragten Mütter und Töchter ihre Probleme längst bewältigt und sich miteinander arrangiert hatten. Wahrscheinlich waren sie auch nur deshalb bereit, gemeinsam im Fernsehen aufzutreten. Woran das Magazin außerdem krankte: Es passierte so gut wie nichts. Die Filme bestanden größtenteils aus Interviewcollagen, die mit rasanten Wackelschwenks aufgepeppt und in Clip-Manier zusammengeschnitten waren. Das sollte der Sendung einen spielerischen, unterhaltsamen Anstrich geben, passte aber nicht so recht zum Thema. Da fiel es schwer, einer Geschichte zu folgen, zumal die Frau, die sie erzählte, bei jedem Satz an einem anderen Ort stand.

"Lola" ist eine deutsch-französische Co-Produktion und läuft einmal im Monat. Durch die halbstündige Sendung führen keine Moderationsprofis, sondern prominente Frauen, die mit dem jeweiligen Thema in Verbindung stehen. Den Anfang machten bei "Mütter und Töchter" die Schauspielerin Nina Hoss ("Der Vulkan") und ihre Mutter, die Theaterintendantin Heidemarie Rohweder. Auch diese beiden beteuerten, dass das Verhältnis zwischen ihnen oft ziemlich schwierig ist. Und wirkten dabei so unzertrennlich, dass man es nicht so richtig glauben mochte.

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