Medien : Kritisch gesehen: Leise und verstörend

Mechthild Zschau

Themenabend: Algerien zwischen Krieg und Frieden. Arte. "In den Bergen" - so drohend wie magisch erklingt dieses Wort wieder und wieder. In den Bergen - da lebten die Terroristen, aus den Bergen kam der massenhafte Tod. Wer zurückkehrt in die Dörfer, wird mitsamt der Familie gemieden. Sie sind und bleiben Außenseiter, gehasst, gefürchtet und doch auch geduldet.

Algerien ist ein zerrissenes Land auf der verzweifelten Suche nach innerem Frieden. Die algerische Journalistin Faouzia Fekiri begibt sich in ein Dorf, in dem die unsichtbaren Mauern hoch aufragen. Sie spricht mit amnestierten Terroristen, mit radikalen "Patrioten", mit so stolzen wie gebrochenen Männern, verschreckten Frauen und vor allem mit Kindern, den unschuldigsten Opfern jener Väter, die für welches Ideal auch immer gegen die Regierung kämpften und damit gegen ihre eigenen Leute. Im Zentrum steht der elfjährige Junge Kamel, ein "Terroristensohn", der auf seinen kindlichen Schultern die ganze Last als Familienoberhaupt trägt. Statt in die Schule zu gehen, muss er mit Betteln den Lebensunterhalt für Geschwister und Mutter verdienen. Die Nachbarn werfen Steine. Undurchschaubar erscheint das Geflecht aus Vorurteilen, Frontbildungen, Opportunismen, alten Ritualen und neuen Versöhnungsversuchen. Aus Misstrauen und Schweigen, Beschwörungen und Gottvertrauen. Leise ist dieser Dokumentarfilm, bildmächtig und verstörend. Eine Lösung für das gebeutelte Land ist nicht in Sicht.

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