Medien : Kritisch gesehen: Makabre Rohstoffe, wunderbarer Krimi

Tom Peuckert

Polizeiruf 110: Die Frau des Fleischers. ARD. Die Frau des Fleischers stirbt an BSE. Ein Freund der Familie injiziert Morphium und schreibt Herzversagen auf den Totenschein. Schon bei der Trauerfeier gehen sich die Hinterbliebenen an den Kragen. Von einer Fleischmafia ist die Rede, und von den großen Summen, die man der Bank schuldet. Dabei ist Kommissar Hinrichs (Uwe Steimle) Stammkunde im Laden des Fleischers. Ohne Vertrauen, so belehrt er die Kollegen, würde die Welt bald untergehen. Deshalb kaufe er sein Fleisch nur bei einer alteingesessenen Schweriner Metzgersfamilie. Ja, das sind makabre Rohstoffe, aus denen beim NDR wunderbare Krimis gemacht werden. Wahrscheinlich die besten im deutschen Fernsehen. Weil sie das scheinbar Unvereinbare zusammenbringen: Humor und Tragödie, Kalauer und Philosophie, Soziologie und Comic. Einerseits ist die Schweriner Polizeiruf-Welt vollkommen künstlich, andererseits sind wir in jeder Minute gefesselt und emotional angerührt. Es hat mit einer bis in die Nebenrollen spannenden Besetzung zu tun und mit viel kreativer Energie (Buch: Douglas Welbat/Regie: Peter Kahane). Im Zentrum des bunten Treibens aber steht Kommissar Hinrichs. Der Mann ist semmelblond, was als sehr existenzielles Attribut gelten kann. Ein Schauspieler, der aus seiner sächsischen Provinzabstammung eine Kunstform gemacht hat. Steimle könnte beim Fernsehen wohl nicht viel anderes spielen als diesen Kommissar. Aber den spielt er so, dass man eigentlich einen Fanclub gründen müsste. BSE, respektive Creutzfeldt-Jakob, war es am Ende übrigens doch nicht. Aber das ist nach soviel Vergnügen vollkommen Wurst.

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