Medien : Kritisch gesehen: Mutierter Klon

Michael Burucker

Das Quiz. ARD. Als "Allzweckwaffe", als die der öffentlich-rechtliche Wiedergänger gepriesen wird, konnte sich Jörg Pilawa noch nicht beweisen. Vorerst gab es noch mehr vom Gleichen. Das begann mit dem einfallslosen Titel und hörte auf mit einem hektischen Abspann auf einer Bildhälfte. Selbst der Sponsor, ein Senfhersteller, lärmte. Jörg Pilawa konnte also nahtlos dort weitermachen, wo er aufgehört hat. Das war wohl Sinn der Sache, wurden doch die Quoten, die seinem Quiz auf Sat 1 beschieden waren, von der ARD miteingekauft. Ein später, wenn auch nicht unbedingt schlechter Coup, denn der Quiz-Boom könnte mit dem jungenhaften Rate-Onkel, der locker wie Günther Jauch, allerdings selbstverliebter und ohne dessen Pokerface agiert, durchaus noch einige Zeit anhalten.

Nur erwiesen sich damit wieder einmal sorgsam gepflegte, öffentlich-rechtliche Selbstbilder als Mär: Dass die ARD sich ihre Publikumsmagneten selbst heranzieht, die dann von Privaten weggekauft würden, dass sie nicht den Privaten hinterher läuft und mit eigenen Formaten Akzente setzt. Auch wenn der Slogan heißt: "Das Quiz - Nur bei der ARD", wollte Pilawa es nicht verschweigen, dass sich die ARD nur eine Mutation der Quiz-Klone einfallen ließ. Geraten wird jetzt im Tandem - ein Verweis auf die verlorene Solidarität im Zeitalter der "New Economy", außerdem eine verschämte "Big-Brother"-Variante: Wie beharken sich Freunde, wenn es um eine Menge Kohle geht? Ähnliche Experimente zeigten, dass solche Game-Show-Elemente eher hinderlich waren, scheint doch dem Zuschauer das Quiz je abgespeckter, desto lieber zu sein. Der Reiz ist wohl mehr, die eigene Allgemeinbildung, das eigene Kreuzworträtselwissen zu erproben. Wie Stewardess Melanie, die mit ihrem Piloten da war und rätselte, ob man aus Nachsicht "a) die Kondomschachtel" oder "b) beide Augen zudrücken" soll. Wir neigen zum Augenzwinkern, kommt die ARD hier doch mit Hilfe der Privaten auf ihre eigenen Säulenheiligen wie Adolf Grimme zurück, für die das Fernsehen einst die Volksbildung zu befördern hatte.

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