Medien : Kritisch gesehen: Nahkampf

Caroline Fetscher

ARD. Friedman talkt, es ist eine Premiere im ersten Fernsehprogramm. Eingeladen ist Angela Merkel, die sich an jeder Front verteidigen muss: Warum sie Joschka Fischer nicht in Ruhe lässt? "Er hat sich entschuldigt - reicht Ihnen das noch immer nicht?" Ob sie wirklich die liebe, nette Frau war, für die sie gehalten werden will, als sie im Dezember 1999 den bösen Brief zum Thema Kohl in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" lancierte? "Wollten Sie damals Kohls Nachfolgerin werden?" Sie war verzweifelt, sagt Merkel, sie rechtfertigt sich, zwar ruhig, aber strudelnd. Ob sie glaubt - er meint eigentlich: ob sie merkt -, dass man sie nur kommissarisch an die Spitze der CDU gesetzt habe? "Nein, nein", sagt sie. Fühlt sie sich von Koch, Merz, Stoiber unterstützt? Und was beudetet die "Leitkultur" für sie?

Angela Merkel ringt, Michel Friedman talkt über sie hinweg, fällt ins Wort, lässt keine Atempause. Changierend zwischen den Rollen eines hochaufmerksamen Charmeurs und eines erbarmungslosen Verhörers macht er seine Sache so gut, dass von einem "Gesprächspartner" kaum die Rede sein kann. Eher von einem Gegner, den es aus der Reserve zu locken gilt. Angela Merkel spricht dann, wie von einer Bastion, immerzu von "meiner Partei", nur um als Zukunftsvision eine "Wir-Gesellschaft" aufscheinen zu lassen, indes sich die "multikulturelle Gesellschaft als ein Irrtum erwiesen" habe. Größtes Hindernis dieser Talkshow: Rote Riesensessel mit Riesenrückenlehnen bauen eine Burg um das Talk-Duo, und Kameraleute, die mehr als nur einen Haarschopf erwischen wollen, sind nicht zu beneiden.

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