Medien : Kritisch gesehen: Nicht einer Meinung und doch einig

Hans von Altona

Presseclub. ARD. Es ist in diesen Zeiten nicht leicht, die Nerven und den Überblick zu behalten. Und doch, es ist möglich. Der "Presseclub" diskutierte das Thema "Kampf gegen Terror" - und die beteiligten Journalisten zeigten, dass es zivilisiert zugehen kann, auch wenn man nicht einer Ansicht ist. Aber vielleicht war genau das das Geheimnis hinter der friedlichen Diskussionsrunde, die Redakteure so unterschiedlicher Medien wie der "taz", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" an den halbrunden Tisch brachte. Man war nicht einer Meinung - und doch war man sich einig.

SWR-Intendant Peter Voß, der den Presseclub zum ersten Mal leitete, hatte unter diesen Umständen ein leichtes Spiel. Die Journalistin und die vier Journalisten redeten vielleicht drei oder vier Mal kurz und knapp durcheinander, aber der Tischherr konnte Ruhe bewahren. Das Gift des Dissens hatte einfach keine Chance.

Gerhard Fuchs, BR-Fernsehdirektor und selber jahrelang Leiter des "Presseclubs", hatte seinem Nachfolger Voß die Maßregel mit auf den Weg gegeben, jedenfalls zu Beginn jeden Gast einmal zu Wort kommen zu lassen. So hielt es Voß denn auch, aber so viel Vorsicht wäre gar nicht nötig gewesen. Alle nahmen Rücksicht, als diskutierte hier ein Kirchenkreis, niemand widersprach niemandem, mit Ausnahme von Bettina Gaus ("taz"), die sich von ihrem US-Kollegen Don F. Jordan nichts unterstellen lassen wollte, was natürlich ihr gutes Recht war und beste "Presseclub"-Tradition noch dazu.

Peter Voß leitete im Großen und Ganzen souverän, je länger die Sendung dauerte, desto kürzer und prägnanter wurden seine Fragen, desto weniger "Ähs". Schön, dass auch ein alter Hase offensichtlich noch so etwas wie Nervosität kennt, professionell, wie er sie bezwungen hat. Was wird kommen, was wird werden - auf solche Fragen von einer Journalistenrunde mehr als Meinungen zu erwarten, wäre ohnehin vermessen gewesen.

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