KRITISCH gesehen : Pfälzer Buddhist

Reinhold Beckmann fragt: von vorn, von der Seite, zwei Schritte zurück und wieder frontal - und kommt nicht durch. Kurt Beck ist ein Berg, der sich nicht bewegt.

Kurt Sagatz

„Beckmann“; ARD, Montagabend. „Ich stehe hier, ich bleibe hier, und der Löwenanteil der Partei will das so“, eine Dreiviertelstunde wird SPD-Chef Kurt Beck von Reinhold Beckmann ins Gebet genommen, doch dem ARD-Talker gelingt es nicht, die stoische Gelassenheit des angeschlagenen SPD-Vorsitzenden aufzubrechen. Ihm kann keiner, die Öffnung nach Links sei eine notwendige Diskussion gewesen. Egal, wie er das in die Partei kommuniziert hätte, wäre der „Medienhype“ nicht anders ausgefallen.

Erhellender als die Antworten sind Beckmanns Fragen: Sie sind der Sündenbock, wie viel Verantwortung tragen Sie? Ein bisschen geht das auf mich zurück. War es dumm, das drei Tage vor der Hamburg-Wahl rauszulassen? Auch alten Fuhrleuten passiert mal ein Fehler. Warum haben Sie das nicht dementiert? Dann wäre es tatsächlich zur Lüge geworden. Wer hat wen gedrängt, Beck Ypsilanti oder umgekehrt? Kann man so nicht sagen.

Dieser Berg wird sich nicht bewegen, das wird Beckmann schnell klar, der nun über Ypsilanti spricht und ihre Stellung in Hessen, über Strategien im Land und im Bund – um dann wieder zuzustoßen. War es nun Wortbruch oder nicht? Nein, eine Richtung, die neu vorgenommen wurde. Was ist überhaupt Wortbruch? Politik ist ein dynamisches Geschäft. War es dann Wählerbetrug? Nein, eine Auseinandersetzung mit einer neuen Situation.

Beckmann fragt: von vorn, von der Seite, zwei Schritte zurück und wieder frontal – und kommt nicht durch. Einzig bei Oskar Lafontaine und „dessen von Häme und Rache getragenem Hass gegen die SPD“ zeigt Beck seine Zähne nicht nur zum Lächeln. Ansonsten hält er sich an seine Devise, im Umgang mit den Medien zurückhaltender zu agieren und seine Aussagen stärker auf die Goldwaage zu legen. Zudem: „Ich habe aufgehört, mich zu ärgern, auch wenn es nicht so ist, dass mich die Dinge nicht mehr berühren“. Buddhismus nach Pfälzerart. sag

0 Kommentare

Neuester Kommentar