Medien : Kritisch gesehen: Polylux - Ein neuer Mixer aus Bangladesh

Harald Martenstein

ARD. Vielleicht sollten wir über den Start von "Polylux" in der ARD besser nichts schreiben. Denn es kamen der Tagesspiegel und sein Chefredakteur darin vor. Andererseits: Unbestechlich sind wir sowieso, und mit dem Tagesspiegel und seinem Chefredakteur kennen wir uns ein bisschen aus. Deswegen haben wir auch erkannt, dass der angekündigte "Tag im Leben des Giovanni di Lorenzo" in Wahrheit ein Zusammenschnitt aus moosbewachsenen Archivaufnahmen des späten 20. Jahrhunderts war. Schön, mal wieder die ehemaligen Kollegen zu sehen, die seit Jahren für andere Blätter arbeiten!

"Zeitgeist" - verwendet dieses Wort überhaupt noch jemand? "Polylux", ein "Zeitgeistmagazin", stammt vom ORB, laut "Spiegel" dem "Bangladesh der ARD". Verzeihlich, dass dort die Uhren langsamer gehen! Polylux soll allerdings früher sehr gut gewesen sein, deshalb wurde es in die ARD befördert. Tita von Hardenberg moderierte mit in die Hüfte gestützen Armen, das sollte wohl frech wirken, sah aber eher rustikal aus. Auch der Tonfall war auffällig bemüht, jedenfalls weder frech noch satirisch. Die Ästhetik erinnerte an die frühen Jahre von RTL 2. Die Themen? Porno wird salonfähig, Skifreaks in den Alpen ... gehobener Trash. Offenbar verhalten sich die Zeitgeistmagazine der ARD zu denen der Privatsender so, wie sich früher die Ost-Küchenmixer zu den West-Küchenmixern verhalten haben: alles wirkt ein bisschen schwerfälliger. Nein, falsch: Es gab ja mal "ZAK" mit Friedrich Küppersbusch.

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