Medien : Kritisch Gesehen: Schade aber auch

Mechthild Zschau

Sinan Toprak ist der Unbestechliche. RTL. Es ist ein Jammer - da gibt es endlich einen attraktiven Kommissar neben all den öffentlich-rechtlich zerknautschten - und dann muss er ein Verhör beginnen mit "Geben Sie es zu, das Mädchen stand Ihnen im Wege". Manche Drehbuchschreiber müsste man verdonnern, täglich zehn ihrer Sätze selbst sagen zu müssen - zum Beispiel "Meine Herren, ich muss Sie ersuchen, die Schuhe auszuziehen" (Buch: Manfred Buzzi).

Der Pilotfilm sprühte vor Ironie, und er gab Erol Sander die Chance, sich als zu Differenziertheit fähiger Schauspieler zu outen. Und jetzt? Ein umständlich konstruierter Fall, der Kommissar weiß immer schon alles (beugt sich kurz über den aus dem Fenster gestürzten Mann: "Es war Mord."), holt die Runde der Verdächtigen zusammen und führt den langen Entlarvungsmonolog.

Dass er als Türke in München Karriere gemacht hat, spielt keine Rolle. Wie auch, als perfekt integrierter Immigrant der soundsovielten Generation, proper, anständig, mit pingeligem Rechtsempfinden und autoritärem Gestus. Ein Beitrag zur Multikulti-Gesellschaft? Nein, zur deutschen Leitkultur. Ein Jammer um Sinan Toprak, den schönsten, männlichsten, elegantesten Kommissar aller Zeiten, dessen Hemd auch beim Fahrrad Reparieren blütenweiß und wohlgebügelt erstrahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben