KRITISCH gesehen : Schadstoffe

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Anne Will, ARD – Hat Deutschland nur diese Wahl? Kaum ist sie aus der Sommerpause zurück, hätte „Anne Will“ Pech haben können: Dann, wenn ihre Talk-Gäste einhellig alle mit „Ja“ geantwortet hätten. Ja, Teflon-, Aussitz- und Schweige-Merkel gewinnt vermutlich die vierte Wahl in Folge. Merkels SPD-Konkurrent Martin Schulz scheint und ist laut Umfragewerten abgeschlagen. Aber diese Prognose aussprechen? Das wäre zu viel verlangt.

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, hatte mit Anne Wills Prognose die geringsten Probleme. Für ihn hieße das: Mutti macht’s, alles bleibt so, wie es ist. SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann verwies da schon energischer darauf, dass Merkel „keine Zukunftsidee“ habe. Zeit für Alice Weidel mit Hornbrille, Mitglied des AfD-Bundesvorstands. „Die AfD bewegt Nichtwähler“ - zu den Wahlurnen - behauptete sie, und hofft, als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen. Woraufhin sie samt Partei sofort einen Untersuchungsausschuss gegen die derzeit amtierende Kanzlerin initiieren würde, da Angela Merkel eine rechtlich nicht genehmigte Flüchtlingspolitik verfolge. Das blieb Weidels stärkster Punkt. Der Zuschauer merkte deutlich: Der programmatische Hauptpunkt der AfD sind Flüchtlinge. Bei anderen Fragestellungen scheint die Partei keine Haltung zu haben. Oder: Weidel hat sie nicht sonderlich engagiert vertreten.

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, sieht seine Rolle ganz anders. Auch er will Angela Merkel den Schneid abkaufen, ist sich allerdings bewusst, dass er und seine Partei maximal als Koalitionspartner in Frage kommen. Gegen Ende verlor sich der Talk in Einzelschauplätzen, allen voran: die Abgas-Affäre. Anne Will segnete Angela Merkel mit dem neuen Spitznamen „Auto-Merkel“ und spielte darauf an, dass die Kanzlerin die prekäre Situation aussitze.

Alice Weidel wollte wissen, warum die Konzentration von schädlichen Stoffen in Büroräumen wesentlich höher sei als draußen auf den Straßen, sogar in Innenstädten. Nicht einmal Volker Kauder traute sich mit Wind, Wetter und schlechter Raum-Belüftung zu argumentieren - sein Stab schien ihm nötige Zahlen nicht an die Hand gegeben zu haben. Andererseits: Wer sollte vorher auch wissen, dass sich eine „Wer-wird-Kanzler“-Debatte komplett zu einer Abgas-Diskussion dreht? Tatjana Kerschbaumer

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