Medien : Kritisch gesehen: Scherzen in Schwerin

Tom Peuckert

In Schwerin gehen die Uhren langsamer. Kommissar Hinrichs (Uwe Steimle) spricht immer noch ein dezentes Funktionärs-Sächsisch und betrachtet jeden Wessi als Angstgegner. Nach dem Tod seines Partners Groth (Kurt Böwe), mit dem er viele Folgen lang ein wunderbares Duo bildete, wird ihm nun ein gebürtiger Hamburger als Kollege zugeteilt. Holm Diekmann heißt der Zugang und wird gespielt von Jürgen Schmidt. Wird der Fremde im ostdeutschen Biotop bestehen können? Vor allem: Wird er Sinn haben für den schrägen Humor, den sie beim NDR-Polizeiruf pflegen? Das eigentliche Verbrechen nimmt hier keiner allzu ernst, um so wichtiger ist der Freiraum für Pointen. Für kabarettistische Einlagen, surreale Slapsticks, dezenten Nonsens. Und manchmal sogar für die Höhenflüge echter Tragikomik. Eine wilde Story haben Autor Michael Illner und Regisseur Helmut Förnbacher als ersten gemeinsamen Fall der beiden Komissare konstruiert. Ein altes Gemälde sorgt in Schwerin für Mord und Totschlag. Rembrandt hat es gemalt, aber mit dem Namen eines seiner Schüler signiert. Alles spielt en famille, denn Diekmanns Frau ist die Erbin des Bildes und seine Tochter wird als Geisel genommen. Das Handwerk der Kunstfälscher kommt ausführlich ins Bild und unseren Kommissaren wird nacheinander das Nasenbein gebrochen. Die beiden werden schon beim ersten gemeinsamen Fall zu Duzbrüdern, aber das muss nicht ewig so bleiben. Das Erfreulichste: auch Jürgen Schmidt beweist auf Anhieb Sinn für den feinen Klamauk, der in Schwerin zelebriert wird. Am Ende, als das Gemälde sicher im Museum hängt, macht sogar der Polizeipräsident einen Witz: Er wollte Maler werden, verrät er melancholisch. Aber er sei farbenblind. Da wäre er dann zur Polizei gegangen.

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