KRITISCH gesehen : Sensationell

von

Deutschland sucht den Superstar. RTL.

Versuchen wir es sachlich: Die Premiere der neuen Staffel der, nun ja, nennen wir es vielleicht doch „Show“ mit dem Titel „Deutschland sucht den Superstar“, zeigte erneut das Elend dieses Fernsehens, denn das Personal der Sendung besteht mal wieder aus Versagern, Nichtskönnern und aus Menschen, die sich nach Kräften vor der Kamera zum Deppen machen. Und aus den Kandidaten.

Aber um die Kandidaten geht es bei „DSDS“ natürlich nicht, um die ging es noch nie, so wie es noch nie darum ging, einen Superstar zu finden. „RTL sucht die Quote“ wäre ein passenderer Name für das Format, von dem man jedes Jahr erneut glaubt, dümmer, langweiliger kann es nicht mehr werden. Wenn etwas an „DSDS“ sensationell ist, dann die Tatsache, dass das doch klappt. Beim Auftakt konnte man zumindest das beobachten: Die Macher vertrauen der Grundidee („Sänger“ singen, bis einer übrig bleibt) längst nicht mehr – die Castings sind schlechte Talkshows geworden, vor die Jury darf nur, wer etwas zu erzählen hat, aber es muss lustig oder traurig oder dämlich sein. Der Akt des Vorsingens ist zu einer Sekundensache geworden, wichtiger ist für RTL, mit Billiganimation Grundschulhumor zu transportieren. Das ist auch handwerklich kein gutes Fernsehen, es ist Billig-TV.

Dazu passen die zwei neuen Jurymitglieder Fernanda Brandao und Patrick Nuo, denen man offensichtlich die Wahl gelassen hat: entweder ins Dschungelcamp oder neben Dieter Bohlen. Die beiden haben sich aus Verzweiflung für Bohlen entschieden. Brandao tanzte in einem Musikvideo von Modern Talking und hatte mit der Kapelle „Hot Banditoz“ tatsächlich mal einen Top-3-Hit – aber wer hatte den nicht? Zum Beispiel Patrick Nuo, dessen Platten keiner kauft, weswegen der Mann immer wieder ins Fernsehen drängt, zuletzt bei „Stars auf Eis“ von Pro 7.

In den nächsten Wochen wird – so will es RTL, so will es „Bild“ – der eine oder andere angebliche „Skandal“ auf uns zu kommen. Der eigentliche Skandal ist aber, dass RTL für „DSDS“ tatsächlich einen Moderator einsetzt. Der heißt Marco Schreyl. Den kann man aber, wie alles andere, vergessen. Matthias Kalle

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben