Kritisch gesehen : Sicher aufm Allgemeinplatz

Mäßige Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland. Und Oliver Kahn? Der neue Fußballanalyst schlug sich auch nicht schlechter als seine Ex-Kollegen auf dem Platz - nur in umgekehrter Dramaturgie.

Friedhard Teuffel
Kahn
Blondinen-Talk. Johannes B. Kerner (l) und Oliver Kahn. -Foto: dpa

Fußball-WM-Qualifikation: Finnland  –  Deutschland. ZDF. Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren, das war gestern die Frage an die deutschen Fußball-Nationalspieler nach dem 3 : 3 in Helsinki. Und die an Oliver Kahn müsste lauten – einen Punkt gewonnen oder vielleicht doch nur ein Pünktchen? Für einen ganzen Punkt als neuer Fußballfernsehanalyst des ZDF spricht, dass sein letztes Spiel als Fußballprofi erst eine Woche zurückliegt, da blieb nicht viel Zeit zum Trainieren. Für ein Pünktchen: Kahn steckt noch in der Sprache des Fußballers. Entscheidend ist auf dem Allgemeinplatz.

Kahn schlug sich jedoch auch nicht schlechter als die Nationalelf, wenn auch in umgekehrter Dramaturgie. Er fing besser an und ließ am Ende nach. Am Anfang brachte er sich gleich ein mit seiner Kabinenerfahrung. Kapitän Ballack liegt gerade mit Manager Bierhoff im Streit. Johannes B. Kerner fragte daher im journalistischen Reflex: Konflikt heißt doch eigentlich Unruhe in der Mannschaft, oder? Nö, entgegnete Kahn. Die Spieler seien genug mit sich selbst beschäftigt. Das war hilfreiches Vorwissen.

Aber Kahn war sich gestern Abend seines Vorwissens zu sicher. „Wie ich schon eingangs sagte“ und „Was ich vorhin meinte“. Kahn bezog sich auf Kahn und zu wenig auf das, was auf dem Feld passierte. Dabei war es eigentlich eine dankbare Aufgabe zum Auftakt als Fernsehexperte: sechs Tore, viel Trubel, die Rückkehr von Miroslav Klose. Und was sagt Kahn dazu? „Da waren schon einige Probleme defensiv zu sehen. Da gibt es noch Gesprächsbedarf.“ Aha. Und zur Spielweise der Nationalelf: „Die Mannschaft hat erst spät nach vorne gespielt. Da stellt sich die Frage: Warum nicht früher?“ Das Analyse-Board, mit dem Kahn den Einzelfall hätte vorführen können, ruhte wie eine Staffelei vor jemand, der in der Schule Kunst abgewählt hat.

Das schneidige Einziehen der Luft durch die Zähne wird Kahn als neues Markenzeichen nicht reichen. Als Bundestrainer Löw dann das Studio betrat, war Kahn auf einmal ausgeblendet, und es fand nur ein Zwiegespräch zwischen Kerner und Löw statt. Vorher hatte Kerner den unnahbaren Kahn beinahe liebevoll an die Hand genommen. „Vielleicht kannst du dieses ungeordnet noch ein bisschen versuchen zu definieren“, sagte er. Mal kitzelte Kerner ihn, mal flankte er ihn an, mal erklärte Kerner einfach. So hatte dieses Spiel mit Johannes B. Kerner am Ende doch noch einen Gewinner.

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