KRITISCH gesehen : Spätschoppen

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Menschen bei Maischberger. ARD. Zugegeben, oder? Das Thema der Sendung hörte sich an, wie der Titel einer Schocker-Reportage auf RTL 2: „Kanzler, Krisen, Katastrophen“ – so würde dieser Sender möglicherweise seinen Zuschauern den Regierungsalltag verkaufen, so hieß aber wirklich das Thema dieser Ausgabe von „Menschen bei Maischberger“. Und das Schönste war: Es ging dann überhaupt nicht um Kanzler, Krisen, Katastrophen. Es ging um Wein und Meinen.

Es ging, richtig, um die „Tagesthemen“, genauer: um die 10 000. Ausgabe des Nachrichtenformats. Die Gäste waren die „Tagesthemen“-Moderatoren Sabine Christiansen, Ulrich Wickert, Barbara Dieckmann, Wolf von Lojewski, Tom Buhrow – und Peter Kloeppel, der außer bei RTL noch nie was moderiert hat, aber da die Sendung in Köln aufgezeichnet wird und Kloeppel in Köln arbeitet, bot sich sein Kommen vielleicht irgendwie an. Wahrscheinlich hat der Mann schon schlimmere Abende gehabt, denn es war, alles in allem, sehr nett.

Das bestimmende Thema der Sendung war der Weinkonsum – nicht der Deutschen, sondern der Weinkonsum der Moderatoren und der Redaktion. Darum ging es am Anfang, Wickert setzte das Thema nicht ganz unüberraschend, und man bekam den Eindruck, man hätte die „Tagesthemen“ auch „Nationaler Spätschoppen" nennen können, Die Maischberger-Sendung war dann keine Talkshow, sondern eher ein Klassentreffen.

Obwohl man sich als Zuschauer nach fünf Minuten gefragt hat, worüber die jetzt noch eine Stunde reden wollen, redeten die einfach noch eine Stunde miteinander. Darüber, wie es ist, eine Sendung zu moderieren, die einen persönlich betrifft (Christiansen musste über den Tod von Hanns-Joachim Friedrichs sprechen) und darüber, warum es für einen „Tagesthemen“-Moderator eine schwierige Gratwanderung ist zwischen Meinung, Haltung und Objektivität. Man hörte dieser Runde gerne zu, vor allem, weil keiner der Beteiligten den Fehler machte, sich selbst oder seinem Job eine größere Bedeutung zu geben. Alle wissen: Der Star ist das Format. Bei solchen Moderatoren kann das lange so bleiben. Matthias Kalle

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