Medien : Kritisch gesehen: Sperlings Berlin-Bekenntnis

Uta-Maria Heim

Sperling und das große Ehrenwort. ZDF. Beleibte sind beliebt. Kommissar Sperling (Dieter Pfaff) ist sehr beleibt, und er hat alle guten Eigenschaften, die man Menschen seiner Statur nachsagt. Hartmann Schmige (Buch) und Sibylle Tafel (Regie) inszenieren ihn als bildschirmfüllenden Weihnachtsmann, der sich über sämtliche Dienstvorschriften aus Gutmenschentum einfach hinwegsetzt. Er hilft einer jungen Mutter, die an einem Überfall beteiligt war, hinter dem Rücken der Justiz ein neues Leben anzufangen.

Gehört so ein Polizist nach Berlin? Scheinbar unbedingt. Dafür sorgen die schönen Luftaufnahmen (Kamera: Peter Aichholzer), kommentiert durch Sperlings Berlin-Bekenntnis. Der Kommissar versammelt in seiner Beamtenvilla inzwischen einen skurrilen Zombieladen, die Story stimmt, und die Gags sind wirklich komisch. Am Profil der Serie wurde immer wieder gefeilt, man fragt sich bis heute, warum denn daraus kein Kult wird.

Daran ist vermutlich doch Berlin selbst Schuld. Die Stadt ist sogar Sperling eine Nummer zu groß. Säße letzterer in Castrop-Rauxel oder wenigstens in Garmisch-Partenkirchen, hätte er es wohl geschafft. Er wäre längst eine Krimi-Legende, ähnlich wie Columbo, Kojak, Schimanski und Fitz. Aber in Berlin funktioniert das nicht. Da gibt es zu viel Konkurrenz. Und noch etwas kommt hinzu: Das Image der Stadt läuft in eine ganz andere Richtung: Es geht um Tempo, um Jugend und um Eleganz.

Es bedrängt einen das Gefühl, die Figur Sperling sei das Ergebnis ganz vieler engagierter Sitzungen, bei denen irgendwelche Fernsehleute in irgendwelchen klimatisierten Büros auf höchstem Niveau die Frage diskutierten, was wünschenswert wäre, wenn.

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