Medien : Kritisch gesehen: Über den Häusern Berlins

Markus Huber

Krimi-Fans haben es gerne, wenn der Fernseh-Mord im Nachbargarten passiert, sie die Schauplätze kennen und die Kommissare sogar noch ihren Akzent sprechen. Der Trend geht zur Regionalisierung, und deswegen ermitteln die RTL-Kommissarinnen von "Doppelter Einsatz" nicht mehr nur in Hamburg, sondern auch in München und Berlin.

Beim ersten Einsatz in Berlin sind die Hauptstädter allerdings nicht wirklich auf ihre Kosten gekommen. Erstens gab es keinen Mord im eigentlichen Sinn, sondern nur die Verfolgung eines Ausbrechers. Und zweitens ist es so, dass Ausbrecher normalerweise eher nicht vor dem Brandenburger Tor oder vor dem Reichstag herumturnen, sondern sich in Wälder oder auf Dachböden verkriechen. Aber Berliner Dachböden unterscheiden sich ja nicht wesentlich von denen in München, Hamburg oder Köln. Also musste Ruth Reinecke als Kommissarin Sasse herhalten und die mürrische Berlinerin geben. Das machte sie so gut, dass die Münchner Kolleginnen in den kommenden Wochen schon sehr viele Weißwürste essen müssen, um das zu toppen.

Was blieb, war ein erstklassiger Krimi, der nur anfangs berechenbar wirkte, dann aber überraschende Wendungen brachte. Wie oft kommt es schon vor, dass es nach dreißig Minuten einfach keine Verdächtigen mehr gibt? Jan Josef Liefers als Ausbrecher Brandauer zeigte, dass schauspielerische Stärke auch im Schweigen liegen kann, Corinna Harfouch überzeugte als verliebte Fluchthelferin, und das Drehbuch bewies, dass ein Fernsehkrimi auch dann spannend sein kann, wenn niemand herumbrüllt und nicht einmal Autos, Kugeln und Fäuste durch die Luft fliegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben