Medien : Kritisch gesehen: Viele offene Fragen

Thomas Gehringer

Mit Freddy Schenk, dem sonnigen kölschen Gemüt unter den "Tatort"-Kommissaren, ist es ein bisschen wie mit Columbo. Wir wissen, dass er verheiratet ist, aber seine Frau haben wir nie zu Gesicht bekommen. Jetzt durfte er mal mit ihr telefonieren, weil er nicht ankam am Urlaubsort. Aber eine Begegnung mit Mrs. Schenk ist vorerst nicht vorgesehen, also setzte die ihre Ferien offenbar seelenruhig fort, während ihr Gatte in immer größere Not geriet, sich sogar gewaltsam aus der U-Haft befreite. Vielleicht ist das ja üblich in Polizisten-Ehen. Auch konnte Kommissar Schenk, obwohl zum Schwerkriminellen (Drogendealer, Geiselnahme!) gewandelt, recht unbehelligt durch die Landschaft marschieren und seine eigenen Ermittlungen anstellen. Der unsympathische Kollege von der Drogenfahndung schien ihm mit Vergnügen etwas anzuhängen, suchen wollte er ihn jedenfalls nicht.

Fernsehkrimis müssen nicht in erster Linie Realität abbilden, aber eine halbwegs glaubwürdige Geschichte sollten sie denn doch erzählen. Schade um den Kölner "Tatort", der doch mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt zwei herausragende Darsteller hat. Wer hätte gedacht, dass Schenk kein korrupter Bulle ist und Ballauf seinen Freund und Kollegen nicht im Stich lässt? Der Treueschwur fiel auch in der 15. gemeinsamen "Tatort"-Folge nicht leicht, und Ballaufs Zweifel wie Schenks Verzweiflung erschienen glaubwürdiger als die Winkelzüge des Drehbuchs.

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