Medien : Kritisch Gesehen: Voll unglaubwürdig, ey

Michael Burucker

Tatort: Fette Krieger. ARD/SWR. Im kürzlich erschienenen "krassesten Sprakbuch überhaupt", "Kanakisch-Deutsch", erläutert Autor Michael Freidank die Grammatik dieser Ghettosprache: Substantive sind prinzipiell männlich, es gibt nur "dem Dativ", Männer und Frauen reden sich mit "Alder" oder "Tuss" an. Faust hätte Gretchen sein Geleit, laut Freidank, so angetragen: "Hier Tuss, Alder, isch hab konkret Bock auf dich, ich schwör". Zugegeben, Faust wäre auf kanakisch ziemlich einsilbig geblieben, ein "Tatort" wie dieser, der sich in die Ludwigshafener HipHop-Szene begab, ebenfalls. Aber man muss kein rappendes Ghettokind sein, um zu "checken", dass Sätze wie die des Szene-Reporters, der von der Beerdigung des ermordeten Rap-Stars McFett berichtete, "und nun schreitet seine Lebensgefährtin zum Sarg", eher komisch waren.

Obwohl mit Dominik Reding ein Regisseur und Autor (mit Peter Lennartz) am Werk war, der im Kino ("Oi!Warning") sein Gespür für Jugendmilieus bewiesen hat, wirkte wie immer, wenn das Fernsehen besonders milieuecht sein will, alles besonders unglaubwürdig. Fast wehmütig erinnerte man sich an den alten Derrick und Herbert Reineckers Ausflüge ins Hippie-Milieu. Deren Unbeholfenheit hatte etwas Plausibles, weil die älteren Herren so offensichtlich falsch platziert waren. Bei Reding aber musste Kommissarin Lena Odenthal bis hin zu einer Kuss-Attacke auf eine minderjährige Rapper-Braut vom Milieu förmlich aufgesogen werden.

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