KRITISCH gesehen : Wattebäuschchen

Als TV-Dreikampf im ZDF beworben - doch kämpfen wollten sie nicht: Guido Westerwelle (FDP), Renate Künast (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) bei Maybrit Illner

Dominik Bardow

Der TV-Dreikampf, ZDF, Donnerstag. Zu dritt waren sie zum Kampf geladen, doch kämpfen wollten sie nicht: Guido Westerwelle (FDP), Renate Künast (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) präsentierten sich bei Maybrit Illner mehr als kuschelige Polit-WG denn als „Trio Infernale“ der Opposition. Was ein „Triell“ (ZDF-Deutsch) hätte werden können, wurden drei Eins-zu-Eins-Duelle der Politiker mit der Moderatorin. Durch Illners Einzelbefragungen der drei Fraktionsvorsitzenden kam keine Dreier- oder gar Viererdiskussion zustande, die Gespräche blieben so statisch wie die Kamera, die meist von Illner zu ihrem Gesprächspartner und wieder zurück sprang. Drei Erstwählerfragen aus dem Publikum – eine Anleihe bei den erfolgreichen „Wahlarena“-Bürgersprechstunden am Montag und Dienstag in der ARD – lenkten zusätzlich ab von einer möglichen Auseinandersetzung zwischen Politikern, deren Parteien laut Umfragen immerhin fast 40 Prozent der Wähler repräsentieren. Auch wenn es unterhaltsam war, wie sich Gregor Gysi nach einer Erstwählerfrage zum Schuldenabbau im Einmaleins verhedderte. Der „TV-Dreikampf“ reduzierte sich so jedoch aufs Wattebäuschchen-Werfen, passte sich dem Kuschelwahlkampf der letzten Wochen an, auch wegen der öden Einigkeit unter den Oppositionellen: Die Große Koalition war schlecht, Bildung ist wichtig, klar, und alle wollen die hart arbeitenden Menschen in Deutschland entlasten. Glatter Fehler, dass Illner das Thema „Koalitionsaussagen“ aussparte. Opposition will doch keiner, mitregieren wollen alle.

Besonders einig waren sich die drei Politiker darin, ein TV-Fünferduell mit SPD und CDU zu fordern oder wenigstens die Absetzung des TV-Duells Merkel gegen Steinmeier. Für einen Augenblick kam doch ein TV-Dreikampf auf: Zu dritt gegen Maybrit Illner, die das TV-Duell am Sonntag mitmoderiert. „Regierung im Selbstgespräch – wie wollen Sie da Spannung reinkriegen?“, fragte Gregor Gysi spöttisch und antwortete selbst: „Sie sollten uns drei einladen!“ Nicht die schlechteste Idee des Abends, aber Westerwelle, Künast und Gysi müssten sich in weitaus besserer Form zeigen.Dominik Bardow

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