KRITISCH gesehen : Zum Heulen

Schmidt & Pocher. ARD. Ein bisschen schämt man sich dafür, dass man als Fernsehkritiker, der dem Medium gerne und immer vorwirft, zu vorhersehbar, zu langweilig, zu doof zu sein, dass man also trotzdem immer wieder darauf wartet, dass Harald Schmidt zurückkehrt.

Matthias Kalle

Schmidt & Pocher. ARD. Ein bisschen schämt man sich dafür, dass man als Fernsehkritiker, der dem Medium gerne und immer vorwirft, zu vorhersehbar, zu langweilig, zu doof zu sein, dass man also trotzdem immer wieder darauf wartet, dass Harald Schmidt zurückkehrt. Aus der Kreativpause, aus der Sommerpause – Hauptsache der Mann kommt wieder, um uns zu zeigen, wie gute Fernsehunterhaltung zu sein hat. Und dann ist er da. Und da fällt einem ein, dass Schmidt niemals gut war, wenn er Pause hatte.

Am Donnerstagabend also wieder. Diesmal sogar doppelt schlecht, denn Oliver Pocher nutzte die Sommerpause leider nicht, um in Sachen Selbstironie, Kleidung und Themenvielfalt hinzuzulernen. Er kasperte sich durch diese erste Sendung, und Schmidt, dessen Lust am Untergang bereits vom Feuilleton durchverhandelt wurde, genoss es. Und irgendwie kam einem das Bild der beiden vertraut vor, wie sie da standen und sich über ihre schlechten Witze freuten – Schmidt und Pocher wirkten wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer in der Wahlnacht 1998, als beide sich kaputtlachten und wohl insgeheim dachten, dass das ja eigentlich nicht sein könne, dass die Deutschen ausgerechnet sie gewählt haben.

Es wurde alles noch viel schlimmer, es wurde eine Katastrophe, ein Tiefpunkt im Werk des Harald Schmidt. Die Sendung hatte keine Ideen, kein Tempo, keinen Witz. Der größte Witz allerdings kam am Ende. Thomas Gottschalk war zu Gast, während seines Auftrittes zeigten Schmidt und Pocher die gängigen Gottschalk-Parodien, und dabei fiel auf, dass Gottschalk selbst seine beste Parodie ist, wie er da saß und immer noch glaubt, er habe in den 80er Jahren die Samstagabendunterhaltung ganz allein erfunden.

Pocher rief Günther Jauch an, er wollte mal die Handynummer ausprobieren, die er im Internet gefunden hatte. Sie passte, Jauch ging ran, und was noch Ende der 90er Jahre das Dreikönigstreffen des Fernsehens gewesen war (Schmidt, Gottschalk, Jauch), erschien am Donnerstagabend wie ein Stammtisch alter, satter Männer, die sich einen wie Pocher als dummen August leisten.

Und so hat Schmidt am Ende sogar mit dieser Sendung wieder Großes geleistet: Er hat die deutsche TV-Unterhaltung der letzten 20 Jahre zu Grabe getragen und gleichzeitig klargemacht: Besser wird’s nach uns nicht. Warum muss der Mann immer recht haben? Matthias Kalle

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