Medien : Kritisch gesehen: Zum Versenden geeignet

Thilo Wydra

Mayday Pro 7. Mit den Eigenproduktionen von Pro 7 ist das schon immer so eine Sache gewesen. Vom einschlägigen Verona-Feldbusch-TV-Movie ("Heirate mir!") bis zur Komödie für die ganze Familie ist alles dabei. Und manchmal, ja manchmal überrascht der Münchner Privatsender mit einem Grimme-Preis-ausgezeichneten RAF-Polit-Thriller à la "Das Phantom" oder "Die Geiseln von Costa Rica". Aber eben nur manchmal. "Mayday!" nun war die Krönung des schlechten Geschmacks. Was der Südtiroler Regisseur Werner Masten ("Drehkreuz Airport") da zusammeninszeniert hat, das verlangt schon nach einer Schmerzenszulage. Ein Drehbuch dürfte diesem als "spannender Thriller" angepriesenen Fernsehfilm eigentlich nicht zugrunde gelegen haben, wenngleich unter diesem Posten ein Oliver Keune vermerkt ist. Doch als Herr Keune "Story" und Dialoge von "Mayday!" verfasste, muss er geurlaubt haben, vielleicht in Dubai, wo es unsere tapferen Helden hin verschlagen hat.

Unter der Ägide von Alt-Gauner Jonathan Harris (Klaus Löwitsch) wollte es ein irgendwie laienhaft wirkendes Trio nochmal wissen: Also planten sie, einen Tanker unter ihre Fittiche zu bekommen, ihn in Dubai mit Öl zu beladen und anschließend das schwarze Gold auf dem Schwarzmarkt an den Mann zu bringen. Ein idiotischer Plan. Schon zuvor misslang ihnen ein Coup in einer kleinen Provinz-Bank. Als sie den Tanker immerhin eine Zeitlang unter ihrer Kontrolle hatten, bekam Harris Frau Maria auf dem Festland heraus, dass er gesprengt werden sollte. Die patente, sich als Köchin ausgebende Sprengstoffexpertin Suzanne (Anica Dobra) war auch schon an Bord.

"Mayday!" ist ein filmisches Vakuum, ohne Spannungsbogen, ohne dramaturgische Stringenz, ohne lebendige Figuren mit eigener Geschichte. Was sich gerade Klaus Löwitsch und Anica Dobra bei der Mitwirkung gedacht haben mögen, das wissen die Götter von Dubai. Buch und Regie zwangen sie derart zum Chargieren, dass man ihnen nicht einen Satz glaubte. Aber wahrscheinlich ist "Mayday!" ohnehin nur eine ungeliebte Altlast, wurde der redaktionell von Benjamin Hermann (heute beim Senator Filmverleih) betreute Film doch just im Sommerloch als TV-Premiere ausgestrahlt, was unüblich ist und Bände spricht. "Versenden" nennt man das.

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