KRITISCH gesehen : Zurück in die TV-Vergangenheit

Richard Weber
Alles bestens. Johannes B. Kerner bei der Showarbeit.
Alles bestens. Johannes B. Kerner bei der Showarbeit.Foto: dpa

Deutschlands Beste! Männer und Frauen. ZDF. Mit Johannes B. Kerner ist das so eine Sache. Für die einen eine Sanft-Plaudertasche ohne Meinung und mit weniger Kanten als eine Bowlingkugel. Für die anderen die perfekte Verkörperung des gut erzogenen Talkers, der alles mit einer Wir-haben-uns-alle-lieb-Schmusewolke wegmoderiert. Nach seiner Sat-1-Pleite ist er wieder beim ZDF. „Der Quiz-Champion“ war da, zumindest quotentechnisch ein guter Anfang. Für die Fortsetzung wurde die von Kerner 2003 bis 2009 moderierte Show-Reihe „Unsere Besten“ recycelt. Neuer Titel – „Deutschlands Beste!“ – wird mit altem Inhalt gefüllt. Rankingshows sind beliebt beim deutschen Zuschauer.

Jetzt gab es auf zwei TV-Abende verteilt die besten deutschen Männer und die besten deutschen Frauen. Der Tagessieg war dem ZDF damit sicher, am zweiten Tag schalteten 4,22 Millionen Zuschauer ein. Nur wer sind eigentlich die Besten? Sogar noch „Deutschlands Beste!“? Sind es wirklich Uschi Glas und Reinhard Mey oder Jutta Speidel und Claus Kleber? Mit dem typischen Ich-will-das-ja-nur-mal-so-sagen erklärt Kerner: „Das Ranking ist das Ergebnis der Zuschauerbefragung.“

Ziemlich schlau oder ziemlich ahnungslos. Denn es fehlt der Hinweis, ob die Zuschauer auch für die Nominierung der Teilnehmer verantwortlich waren oder nur über die Rangfolge abstimmen durften. Und da beginnt das große Problem. Bei den Männern sind es zwölf Politiker, zehn Sportler und acht Moderatoren, die unter die ersten 50 kommen. Nur ein Wissenschaftler – der Biochemiker und Nobelpreisträger Thomas Südhof.

Noch ein bisschen merkwürdiger das Frauen-Ergebnis: zwölf Sportlerinnen, zehn Schauspielerinnen und acht Politikerinnen. Auch da nur eine Wissenschaftlerin, die Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard. Ganz kurios die Platzierungen bei den Nachrichten-Moderatorinnen. Marietta Slomka weit vor Caren Miosga. Vielleicht liegt das daran, dass Miosga bei der ARD, Slomka aber beim ZDF moderiert.

Die Einspielfilme, von Kerner als „ganz wertvolle Filme, die wir produziert haben“ gelobpreist, sind die üblichen Schnipsel-Orgien. Apropos Archiv. Dort hat Olaf Schubert wohl ganz weit hinten seine Gags gefunden. Als er am Anfang der Frauen-Sendung mit Gurkenscheiben im Gesicht und Lockenwicklern auftritt, wird eins sonnenklar: Das ZDF eilt mit großen Schritten ins lang vergangene Jahrhundert der TV-Unterhaltung. Gut, dass Kerner noch ganz fit ist, um das alles mitzumachen. Schade, dass Peter Frankenfeld oder Wim Thoelke oder Peter Alexander nur schwer wieder recycelt werden können.Richard Weber

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