KRITISCH gesehen : Zwischenrufer

Kurt Sagatz

Menschen bei Maischberger. Mit Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt, Dienstag, ARD. Sie hat immer mehr geeint als getrennt: Wie kaum ein anderer Bundeskanzler genoss Helmut Schmidt, 88, den Respekt des politischen Gegners – sogar im Amt. Und auch die Beliebtheit von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, 87, ging über alle Parteigrenzen hinweg. Als beide am Dienstagabend zu Gast bei Sandra Maischberger waren, einte sie noch mehr: Um sich 75 Minuten zu unterhalten,waren sie nur bedingt auf die Gesprächsführung einer Moderatorin angewiesen. Oder bereit, sich darauf einzulassen, wie Maischberger feststellen musste, die von Schmidt und Weizsäcker nichts weniger als ein politisches Vermächtnis eingefordert hatte, und damit zwangsläufig scheitern musste. Immerhin, der Abend brachte viele Anekdoten und gegenseitige Komplimente unter anderem für von Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes und für Schmidts Talent als Debattenredner. Dabei trafen Schmidt und Weizsäcker auch direkt aufeinander. So wie 1976, als sich der Kanzler auf einen Abgeordnetenplatz setzte, um Weizsäcker bei seiner Rede nicht nur ins Auge sehen zu können, sondern auch, um den einen oder anderen Zwischenruf unterzubringen. Ob Absicht oder nicht, dieser filmische Hinweis der Maischberger-Redaktion auf die Zwischenrufe konnte als Sinnbild genommen werden. Möglicherweise sind gerade sie der Grund, warum sich viele Menschen eine Rückkehr gerade dieser beiden Politiker wünschen würden. Kurt Sagatz

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