Medien : Kritisches aus Berlin

„Frontal 21“, ein ausgezeichnetes Magazin

Joachim Huber

Die Auszeichnung ist verdient: Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus 2006 geht an das ZDF-Magazin „Frontal 21“, den Redaktionsleiter Claus Richter und den Moderator Theo Koll. Nach Meinung der Jury finde „Frontal 21“ Woche für Woche neue Formen der kritischen Vermittlung aktueller politischer Themen auf hohem Niveau. Zudem gelinge es der Redaktion, über längere Zeit hinweg eine Vielzahl von Problemfällen im Blick zu behalten und für den Zuschauer transparent zu machen.

„Frontal 21“ ist der Markt-, wenn nicht der Meinungsführer im deutschen Fernsehjournalismus. Es zieht die Aufmerksamkeit eines großen Pubikums auf sich, weil die Redaktion selbst sehr aufmerksam ist, aufmerksam für die Themen, die beim Blick ins Publikum hinein erkannt werden. „Frontal 21“ ist ein Publikumsmagazin. Die Leitung und die Mitarbeiter haben längst begriffen, dass ein klassisches politisches Magazin, eine Sendung fürs kleine politische Karo nicht funktionieren kann, sofern die disparate Interessenslage der Zuschauer am Dienstag um 21 Uhr erfasst werden soll. Was immer aktuell anliegt – und das sind mittlerweile gesellschaftspolitische Fragen von Arbeitsmarkt, Gesundheit, neuer Armut –, das wird aktuell verhandelt. Der hohe Ton gehört dazu, gerne schwingt Empörung mit, sobald Ungerechtigkeit, Fehlverhalten, Missstände gebrandmarkt werden.

Claus Richter ist der Chef. Ein analytischer Kopf, ein sehr erfahrener Journalist, der einst beim WDR-Magazin „Monitor“ gearbeitet hat, Korrespondent war für die ARD und Chefreporter für das ZDF. Richter führt die „Frontal“-Redaktion in Berlin mit Akribie und Stentorstimme, er fordert Titel, Thesen, Temperament. Da ist der Moderator Theo Koll ein anderer Typ, wenn er – stets englisch-elegant gewandet – durch die Sendung führt. Koll erlaubt sich keine Emotionen, allerhöchstens erlaubt er sich ein Lächelchen, darf eine Augenbraue um einen Millimeter in die Höhe wandern.

Die Friedrichs-Preis-Jury versteht die Auszeichnung auch als Votum für jene politischen Magazine, die es angesichts verkürzter Sendezeiten immer schwerer hätten, ihrem Anspruch an kritischem Journalismus gerecht zu werden. Damit ist die ARD gemeint, die mit sechs politischen Magazinen, irgendwie verteilt über Montage und Donnerstage, nicht die Wucht und die Wirkung entfalten kann wie das ZDF mit einem Titel wie „Frontal 21“. Im Erfolg von Richter & Co. steckt das Versagen von „Report“ & Co.

Mit dem Preis verbindet die Jury auch die Klage, dass Politiker „lieber in Talkshows auftreten, als sich für ein politisches Magazin interviewen zu lassen“. Eine etwas merkwürdige Klage, weil sie nur darauf hinweist, dass Fernsehen Fernsehen frisst.

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