KRMI-TOHUWABOHU : Polizei falsch, Bullen echt

Der neue „Nachtschicht“-Film spielt Schicksal.

von

Kleider machen Leute: Wer bei einer Verkehrskontrolle von einem Herrn in Polizeiuniform um Papiere und Bußgeld gebeten wird, zweifelt wohl kaum daran, dass hier ein echter Ordnungshüter abkassiert. Darauf vertrauen jedenfalls die Automechaniker Kraut (Florian David Fitz) und Hoppek (Ralph Herforth), die einen gestohlenen Wagen in ein Polizeiauto und sich selbst dank Uniformen in Polizeibeamte verwandeln. Zu ihren zahlreichen „Kunden“ zählen auch zwei seltsame Damen, die beide das gleiche Kostüm und die gleiche Perücke tragen.

Diese Verkleidung ist zwar eine Farce, aber es reicht, um kurz nach der „Polizeikontrolle“ einen Juwelierladen zu überfallen und unerkannt mit Millionenbeute und zwei Geiseln das Weite zu suchen. Kleider machen Leute.

„Wir sind die Polizei“, Lars Beckers achter „Nachtschicht“-Film, besticht durch eine wunderbare Figurenmischung, kleine und große Ganoven, harmlose Glücksritter und durchgeknallte Familienväter, beschwerdefreudige Spießer und übereifrige Tierliebhaber, die ihre Hochhauswohnung in einen Privatzoo umfunktionieren. Das pralle Leben. Und darin gibt es nun mal die sonderbarsten Zufälle, durch die Autor und Regisseur Becker all diese schillernden Figuren miteinander verbindet und so eine Kette aus tragischen und komischen Ereignissen in Gang setzt. Wie Becker hier Schicksal spielt, wirkt meistens spielerisch leicht, nur manche Details erscheinen doch etwas unglaubwürdig: Seltsam etwa, dass ein Juwelendieb nach mehreren Stunden in Polizeigewahrsam plötzlich einen Teil der Beute aus der Jacke kramt.

Aber dieser Film strotzt nur so vor Überraschungen und Verwandlungen. Der bauernschlaue, korrupte Erichsen (Armin Rohde), dem man eigentlich nicht über den Weg trauen mag, läuft hier zu großer Form auf, bewahrt Aug in Aug mit einem Krokodil die Haltung, rettet zupackend Leben und hat die entscheidenden Ideen. Am Ende interpretiert er das Recht mal wieder auf eigenwillige, diesmal eher sympathische Weise. Neben den auf ein Trio geschrumpften „Nachtschicht“-Hauptdarstellern Rohde, Barbara Auer und Minh-Khai Phan-Thi glänzen hier Roeland Wiesnekker als ebenso dilettantischer Gangster wie Ehemann und Cosma Shiva Hagen als dessen geschlagene Frau, die ihr Schicksal auch bei größter Gefahr mit Fassung trägt. Thomas Gehringer

„Nachtschicht“, 20 Uhr 15, ZDF

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben