Kündigung : Kein Vertrauen mehr

Schwere organisatorische Mängel bei der ARD-Produktionstochter: Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan muss gehen.

Foto: ARD Foto: ARD Degeto/Franziska Krug
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Bereits seit Wochen rumort es hinter den Kulissen der ARD-Produktionstochter Degeto, im Ersten vor allem verantwortlich für Primetime-Filme der seichteren Art. Es war zu hören, dass die ARD-Intendanten den Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan für unhaltbar erachten und über dessen Ablöse sprechen. Nun muss Jurgan tatsächlich gehen: Die Gesellschafterversammlung der Degeto hat beschlossen, den Geschäftsführer mit sofortiger Wirkung abzulösen.

Die Prüfung der Geschäftsabläufe der Degeto durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die WDR-Revision habe gravierende organisatorische Mängel ergeben, die in seiner Verantwortung lagen, teilte der Hessische Rundfunk (HR) am Dienstag mit. Nachdem im September bekannt geworden war, dass die Degeto ihr Budget für die Jahre 2012 und 2013 bereits vollständig verplant hat, hatte die ARD eine Prüfgruppe eingesetzt, deren Leitung HR-Intendant Helmut Reitze übernahm. Die Produzentenallianz hatte die ARD aufgefordert, aufzuklären, wofür die Degeto das Geld ausgegeben hat. Es sei außerdem festgestellt worden, dass Jurgan seine Berichts- und Informationspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat verletzt hat. Für den Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung sei das notwendige Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben.

Zudem wird es für Jurgan ein Nachspiel geben, denn neben der sofortigen Abberufung hat die Gesellschafterversammlung auch arbeitsrechtliche Prüfungen beschlossen. Offenbar sollen Aufträge an bestimmte Produktionsfirmen auffällig häufig vergeben worden sein. Dabei wurde auch im Zusammenhang mit dem Amtsantritt von Bettina Reitz im Mai dieses Jahres spekuliert. Reitz führt die Firma nach dem Tod von Jörn Klamroth inzwischen gemeinsam mit Jurgan und ist schwerpunktmäßig für die Produktion zuständig. Zuletzt war Reitz, die die Degeto nun wohl vorerst alleine führen wird, jedoch auch für eine Rückkehr zum Bayerischen Rundfunk im Gespräch – dort könnte sie im kommenden Jahr die Nachfolge von Fernsehdirektor Gerhard Fuchs antreten. Bei der Degeto soll die KPMG nach ihrem jetzigen Zwischenbericht ihre Prüfungen fortsetzen. Der Degeto-Aufsichtsrat hat zudem RBB-Intendantin Dagmar Reim zur neuen Vorsitzenden gewählt. Der Aufsichtsrat hat unter ihrer Leitung eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Strukturen der Degeto überprüfen soll, hieß es. Das Budget der Degeto für Lizenzkäufe und Auftragsproduktionen beläuft sich auf jährlich rund 400 Millionen Euro.meh

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