Medien : Kulturkampf um die nackte Haut

Streit über Busenblätter an Polens Kiosken

Thomas Roser

Seit kurzem werden Polens Kioskbesitzer von den selbst ernannten Sittenwächtern der nationalistischen „Allpolnischen Jugend“ (MW) heimgesucht. Deren Aktivisten, die sonst als außerparlamentarischer Stoßtrupp der rechtsklerikalen „Liga der polnischen Familien“ gegen Homosexuelle, Abtreibungs-Befürworter oder Künstler zu Felde ziehen, haben sich barbusige Hochglanzblätter zum neuen Feind auserkoren: Mit hunderten von Klagen gegen Zeitschriftenhändler wollen sie die Erotikmagazine unter den Ladentisch verbannen.

Prostitution ist in dem erzkatholischen Land verboten, doch Sex im öffentlichen Leben allgegenwärtig. Nur in wenigen Ländern Europas ist die Werbung so sexistisch, wird so intensiv für Erotik-Clubs geworben. Die Titelblätter der hinter den Scheiben der Kioske ausliegenden Erotik-Magazine tragen kaum zu Polens Überfluss an nackter Haut bei. Doch entgehen tun sie den Augen der MW-Aktivisten nicht. Sorgfältig nehmen die Hobby-Fotografen die fleischernen Verheißungen in ihr Visier, bevor sie die Kiosk-Besitzer über den vermeintlichen Gesetzesverstoß und die geplante Anzeige wegen „öffentlicher Präsentation von Pornografie“ informieren. Die Annahme von mehr als 80 Prozent der Anzeigen hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt, da es sich bei den Titelblättern nicht um Darstellung sexueller Handlungen, sondern um erotische Aufnahmen handle.

Der Feldzug der Sauertöpfe hat nun die Jugendorganisation der Sozialdemokraten (SDPL) auf den Plan gerufen, die im Kulturkampf um Polens Busenblätter den Zeitschriften-Händlern den Rücken zu stärken sucht. Die Initiatoren der Flugblatt-Aktion „Freier Kiosk“ argumentieren, dass die beanstandeten Zeitschriften ganz legal seien. Den Kreuzzug gegen die Pornographie bewerten sie als Versuch der Zensur: „Gebt den Verneblern nicht nach !“

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