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Aus Berlin und für Berlin: Drei neue Magazine suchen ihre englischsprachigen Leser

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01 berliner

Wenn man das neue Magazin in die Hand nimmt, denkt man, dass dahinter ein sehr mächtiger und sehr reicher Verlag stecken müsste: schweres Papier, aufwändige Aufmachung. Das CoverGeschöpf ist man selbst, denn es klebt ein Spiegel auf der ersten Seite.

Tatsächlich ist das zweisprachige Kunstmagazin ein Ausdruck der Hoffnung, mit der eine verlorene Generation sich die Zukunft neu erobern will. „Steter Wandel“ ist das Motto des Teams aus 25- bis 35-Jährigen, die ihre Arbeitskraft zunächst unentgeltlich zur Verfügung stellen. Sie wollen damit „eine internationale Stimme aus Berlin“ aufbauen. Frei nach dem Motto des Herausgebers Boris Moshkovits: „Nur wenn ich mich bewege, bewege ich etwas“. Der 30-Jährige aus Odessa, der 1974 über Israel nach Berlin kam, war zuletzt Redakteur beim „Flash Art International Magazin“ in Mailand. Er kann sich Optimismus leisten, weil er Höhenflug und Absturz der Berliner Medienszene schlicht verpasst hat. „Als ich 1998 wegging, gab es noch keinen Hype, als ich 2001 zurückkehrte, gab es keinen mehr.“

So engagiert sind die „01-berliner“-Leute, dass sie die Spiegel eigenhändig auf die 30 000 Exemplare aufgeklebt haben. Mit einem europaweiten Vertrieb wollen sie sich zudem aus der Falle befreien, in der manche englischsprachigen Medienexperimente zuvor gelandet sind. Für Berlin allein ist der Markt für so ein Heft nicht groß genug. Dafür gibt es in anderen Metropolen großes Interesse an Berlin, hat Moshkovits bei der erfolgreichen Anzeigenakquise herausgefunden. „Berliner zu sein, ist kein Geburtsrecht, sondern vielmehr ein Bekenntnis zu dieser Stadt“, sagt Moshkovits. Dieses kosmopolitische Lebensgefühl soll „01 berliner“ auch bei internationalen Kunst- , Design-, Mode- und Literaturmessen transportieren, wo das Blatt mit eigenen Lounges präsent sein will. Das auch in den subtil erotischen Fotostrecken anspruchsvoll gestaltete Magazin erscheint viermal im Jahr und ist für 9 Euro 50 unter anderem in Buchhandlungen erhältlich. Bi

BerlinBulletin

Ein völlig anderes Erscheinungsbild hat eine weitere Neuerung auf dem englischsprachigen Medienmarkt der Hauptstadt. Format und Aufmachung des „BerlinBulletins“ erinnern eher an ein Boulevardblatt und kommen betont unedel daher. Mit einer Startauflage von 10 000 Exemplaren wird die erste Ausgabe zunächst in Botschaften, Restaurants, Bars und internationalen Unternehmen verteilt. Das Heft kostet ein Euro. Ein langes Interview mit dem britischen Botschafter Sir Paul Lever, eine Reportage über die „Embassy Singers“ und das Porträt einer Prostituierten geben hier die Marschrichtung an. Herausgeber Julian Allitt, der gleichzeitig Geschäftsführer von Jazz Radio ist, will vor allem Leute-Geschichten und viel Human Touch in seinem Blatt sehen. Über Service-Seiten mit Infos zu kulturellen oder kulinarischen Angeboten wird derzeit nachgedacht, konkrete Pläne liegen aber noch nicht vor. Bislang finanziert sich das Blatt aus Anzeigen. Wie bei „01 berliner“ arbeiten die Autoren unentgeltlich, so auch der Präsident des Vereins der Ausländischen Presse, Clive Freeman. Der medienerfahrene 56-jährige Allitt glaubt fest daran, dass der Markt reif ist für eine Publikation wie „BerlinBulletin“. Die nächste Ausgabe ist für Dezember geplant. Zunächst soll das Blatt viermal im Jahr erscheinen.Bi

The ExBerliner

„The ExBerliner“ hieß beim Erscheinen im Juni 2002 noch „The Berliner“. Aber weil Boris Moshkovits den Titel bereits hatte schützen lassen, mussten die unkonventionellen Macher um Maurice Frank (29) und Ioana Veleanu (33) den Namen ab der zweiten Ausgabe ändern. Den Zusatz „Berlin’s largest English Paper“ (Berlins größte englische Zeitung) kann ihnen so schnell keiner streitig machen. Die 30 000 Exemplare finden alle 14 Tage ihre Abnehmer – die Zeitung mit Berichten, Reportagen, Kolumnen sowie einem umfangreichen Serviceteil liegt an über 500 Stellen in Buchläden, Cafés und Hotels kostenlos aus. „Die Resonanz war sehr positiv und wir haben richtige Dauer-Werbekunden“ sagt Geschäftsführer Maurice Frank. Die Macher planen, den Umfang von 32 auf 40 Seiten zu erweitern. Nach knapp fünf Monaten Erscheinen ist die erste Überarbeitung fällig. „Inhaltlich liegen wir schon richtig, aber unser bisheriges Layout war einfach zu konservativ“, sagt Art Directorin Ioana Veleanu. Vom 24. Oktober an sollen im „ExBerliner“ mehr Fotos, helleres Papier und aufgelockerte Textblöcke die Zeitung leserfreundlicher, eben „more trendy“ machen.

Angst vor der Konkurrenz, etwa durch „01 berliner“ und „BerlinBulletin“, hat Frank nicht: „Wir erscheinen öfter und haben eine ganz andere Zielgruppe. Und wir sind viel internationaler!“ Tatsächlich kommen die Mitarbeiter aus über 15 verschiedenen Ländern. Bezahlt werden sie übrigens auch. kra

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