Medien : Kurzmeldungen

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Es gibt den schönen Satz: „Die Krise als Chance nutzen.“ Worin könnte diese Chance bestehen?

In Krisen muss man Ballast abwerfen und die Prioritäten schärfer setzen. Das sind für einen Chefredakteur doch die interessantesten Aufgaben.

Vieles in der Medienlandschaft hat sich verändert oder existiert gar nicht mehr. Was vermissen Sie?

Ich vermisse Tina Brown als Chefredakteurin des „New Yorker“.

Können Sie einem jungen Menschen guten Gewissens raten, Journalist zu werden? Wenn ja: Geben Sie ihm einen Tipp.

Klar rate ich einem interessierten, jungen Menschen guten Gewissens, Journalist zu werden. Mein Tipp: Gehen Sie direkt ans Ziel, suchen Sie sich ein gutes Blatt und ein inspirierendes Team, wo man offen diskutieren und seine Instinkte ausleben kann. Meiden Sie Redaktionen, die von Dünkel und einer Diskussionskultur des Eiertanzes geprägt sind.

Welches Medium/welches Ressort/welche Sendung/welcher Journalist macht Ihnen im Moment Hoffnung?

Die „New York Review Books“ schätze ich dafür, dass sie Themen in einer Ausführlichkeit behandeln, die mich davon entlasten, mich während der nächsten drei Monate mit dem Gegenstand zu befassen. Dann der „Spiegel“ (vor allem die Porträts) und in der Regel alles Unaufgeregte, alle Blätter, die der Anekdote das größere Gewicht geben als der Ideologie.

Geht diese Krise auch wieder vorüber?

In Deutschland sind die Zeitungen und Magazine zu hoch dotiert, was den Personalbestand angeht. Da sind Sparpotenziale drin, die die Wirtschaftlichkeit verbessern werden. Man wird sich auch in der Schweiz auf dünnere Inseratenerlöse einrichten und die Redaktionen entsprechend verkleinern müssen. Was ich nicht per se dramatisch finde. Grundsätzlich: Qualität, also interessante Artikel, werden sich immer durchsetzen.

Roger Köppel ist Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“.

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