Medien : Kurzmeldungen

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Herr Bresser, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über einen Artikel von Michael Hanfeld in der „FAZ“. Artikel? Ein Großalarm ist das: Unheimliches geschieht, Gefahr von links droht dem Lande. Leo Kirch, schreibt Hanfeld, „rottet nun die ganze Sippe aus“. Gemeint ist die Familie Springer. Will Kirch doch seinen 40-Prozent-Anteil am Springer-Verlag an den „sozialdemokratisch dominierten“ WAZ-Konzern verscherbeln, aus Schröder ein en roten Berlusconi machen. „Bild“ wird gekauft, Springer enteignet. Skandal! In der Erregung purzeln die Fakten durcheinander. Die WAZ-Gruppe, ein gefährliches Imperium? Sie ist nicht annähernd so mächtig wie Springer. Und links? Der Verlag ist politisch eher unprofiliert und zu ihm gehören auch bürgerlich-konservative Blätter wie die „Westfalenpost“. Außerdem geht es nur um einen Minderheitsanteil an Springer. Die Mehrheit bleibt bei Friede Springer. Mag sein, dass beide Verlage schlecht zueinander passen. Mag sein, dass in der „WAZ“ gelegentlich anderes steht als in Springer-Blättern. Aber muss die „FAZ“ gleich überschnappen und von „Preisgabe demokratischer Rechte“ und auch davon reden, dass der Springer-Verlag „noch“ zu den wenigen gehört, die in dieser Sache der Presse- und Meinungskonzentration unparteiisch und ohne Parteienvorbehalt berichten können“?

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Spaß haben mir die Reaktionen der Prominenten auf das TV-Duell vom Sonntag gemacht. Wie herrlich berechenbar in diesem Land doch alles ist. Inge Meysel, Til Schweiger und Klaus Meine fanden ihren Gerd einfach toll. Für Uli Hoeneß war Edmund „sensationell“, für Uschi Glas „einfach besser“, für Kai Pflaume „offensiv“ und für Michel Friedman wenigstens „exzellent geklont“. Alles schön übersichtlich. Die Lager stehen. Wie ein Mann hinter ihren Kandidaten. Nur einer, Udo Walz, der Friseurmeister, bringt wieder einmal alles durcheinander. Er hätte sich vom Duell mehr „Komplexität“ erwartet. Hat er gesagt. Wenigstens einer äußert sich differenziert.

Klaus Bresser war ZDF-Chefredakteur und moderiert künftig bei n-tv „Talk in Berlin“.

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