Medien : Kurzmeldungen

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Frau Meckel, die Bundestagswahl ist gelaufen. Bleibt die politische Typ-Beratung auf der Agenda?

Ganz sicher. Aber wir haben auch gelernt, dass die Spin-Doktoren nicht so viel Einfluss haben, wie dies im Bundestagswahlkampf mit Blick auf Amerika diskutiert wurde. Nicht zu übersehen ist, dass die Inhalte, die Themen – Flutkatastrophe, die Irak-Frage – am Ende stärker waren als alle Inszenierung.

Was ist das Wahlergebnis: ein Wahlkampfsieg oder ein politischer Sieg?

Was zählt, ist der politische Sieg. Auch Wahlkampfsiege haben eine Rolle gespielt. So die Performance des Bundeskanzlers im zweiten Fernsehduell. Die größte Wahlkampfniederlage hat übrigens die FDP einstecken müssen. Das stimmt mich für die politische Kommunikation durchaus hoffnungsvoll.

Ihr Ranking der besten Politik-Performer?

1. Bill Clinton. 2. Tony Blair. 3. Gerhard Schröder.

Warum Schröder erst auf Platz drei?

Das liegt nicht an Gerhard Schröder, sondern daran, dass die politische Kultur in Deutschland noch immer sehr viel mehr Bauchschmerzen und Berührungsängste mit Darstellungskünsten in der Politik hat, als es in Großbritannien oder vor allem in Amerika der Fall ist. Da kann der Bundeskanzler nicht mehr tun, selbst wenn er Schröder heißt.

Also ist das Etikett von der Amerikanisierung des Wahlkampfs falsch?

Ja. Unsere Form der Personalisierung, der Inszenierung passt gut in unsere politische Kultur. Auch diese politische Kultur hat sich geändert, die Inszenierungs-Strategien haben sich eingepasst. Ich halte nichts vom Schlagwort „Amerikanisierung“, hinter dem sich immer ein Gedanke verbirgt: Eine kulturpessimistische Einbahnstraße, auf der wir ins thematische Nirwana rennen.

Die Fernsehleute haben das Duell-Format in die Hand bekommen. Sie werden es wieder anwenden wollen. Sehen Sie Anwendungsfelder?

Ich bin ganz sicher, dass das TV-Duell beim nächsten Landtags-Wahlkampf in NRW genauso zum Einsatz kommen wird wie in anderen Ländern auch.

Fernsehen, das Allmachtsmedium. Für Politik und Politiker das immer wichtigere Medium?

Das Fernsehen ist das wichtigste Medium, weil es über die Bild-Komponente, die Visualisierung von Information und Emotion geht. Deswegen haben bei den Fernsehduellen so viele eingeschaltet. Man war wahnsinnig gespannt auf den Zweikampf, die Reaktion und Gegenreaktion, auf Sieger und Verlierer. Es war ein kollektives Fernsehereignis wie das Endspiel der Fußball-WM oder die Endausscheidung bei „Big Brother“.

Die politische Klasse klammert sich ans Fernsehen. Da wird die politische Einflussnahme auf ARD und ZDF zunehmen, oder?

Ich habe kein Problem damit, wenn die Politik versucht, in diesem Medium vorzukommen, indem sie Themen setzt und journalistisches Beobachtungsinteresse weckt. Problematisch wird es, wenn Politik die Strukturen des Fernsehens zu dominieren versucht, indem sie in den Gremien bei jeder Entscheidung, ob Programm oder Personal, die Finger im Spiel hat.

Mit dieser Meinung hat die Regierungssprecherin des SPD-geführten Bundeslandes NRW aber eine Alleinstellung.

Das mag sein. Es gibt viele vernünftige Menschen, die ähnlich denken, aber nur wenige, die Konsequenzen daraus ziehen. Wolfgang Clement und Heide Simonis haben das getan und den ZDF-Verwaltungsrat verlassen. Ich gehe jetzt aus dem ZDF-Fernsehrat raus. Man kann gewisse Diskussionen nicht führen, wenn man Teil des Problems ist. Man muss dann Teil der Lösung werden. Wolfgang Clement hat immer wieder klar gemacht, dass für die Medienordnung die Unabhängigkeit von Staat und Politik einfach notwendig ist. Und zwar aus publizistischen und auch aus wirtschaftlichen Gründen. Ob dann die Medienbeteiligungen der SPD noch zeitgemäß sind, darf man auch fragen.

Kein konservativer Politiker wird eine Machtposition im ZDF aufgeben.

Wenn sie als Politiker sozialisiert sind, dann bewerten sie in erster Linie nach dem Kriterium mehr Macht oder weniger Macht. Hier geht es aber nicht um Macht, sondern um journalistische Qualität und Wirtschaftlichkeit. Ich komme beispielsweise aus dem Journalismus. Ich bin ziemlich sicher, dass politischer Proporz nicht die Entscheidungsprozesse hervorbringt, die Kompetenz und inhaltliche Qualität garantieren können. Letztlich ist doch nur eine Frage wichtig: Hat man Medien-Institutionen, die in der Demokratie funktionieren und sie in der Balance halten, oder hat man sie nicht?

Trotzdem wird die Besetzungsfrage von Positionen den Politiker mehr umtreiben als die Frage, wo das ZDF in zehn Jahren stehen soll.

Da haben Sie Recht. Deshalb gehört die Parteipolitik nicht in die Gremien.

Die Politiker gelten in diesem Spiel immer als die Bösen. Ist das gerecht, sind nicht die Hierarchen in den Anstalten diejenigen, die den Politikern das Mitregieren im Sender aufdrängen?

Nicht aufdrängen, aber ermöglichen. An der Führungsspitze eines Senders könnte mehr Bewusstsein darüber herrschen, wie unabhängig man sein kann, wenn man bereit ist, die Chance zur Unabhängigkeit zu nutzen.

Mal sehr konkret gefragt. Wird ZDF-Intendant Markus Schächter Hans Janke als künftigen Programmdirektor im konservativ beherrschten Verwaltungsrat durchsetzen?

Ich hoffe, dass diese parteipolitisch dominierten Personaldiskussionen aufhören. Vor allem hoffe ich das zugunsten des ZDF. Deshalb muss auch bald die Frage des Programmdirektors geklärt werden. Wenn Herr Schächter Herrn Janke will, dann hätte er den Mut haben können, das direkt am Tag seiner Wahl deutlich zu sagen. Niemand hätte ihm das streitig machen können.

Hans Janke gilt als SPD-nah.

In der Fernsehproduktionsszene interessiert nicht, als was einer gilt, sondern was er kann. Die Produzenten wissen, welche Qualitäten Janke für den Posten des Programmdirektors mitbringt. Wer anderes behauptet, der vergisst das Prinzip der Professionalität und setzt auf das Prinzip der Parteipolitik.

Das Gespräch führte Joachim Huber.

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