Medien : Kurzmeldungen

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ZU MEINEM ÄRGER

Herr Ziesemer, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Die Börsenberichte kurz vor der „Tagesschau“ gehen mir gewaltig auf die Nerven. Alle antikapitalistischen Plattitüden dieser Welt hört man jetzt immer kurz vor 20 Uhr, notdürftig verpackt als Börsenbericht. Wenn man den lieben TV-Kollegen glaubt, dann sind alle Anleger notorische Glücksspieler. Die Börse ist ein Irrenhaus. Das ganze wirkt auf mich wie eine Mischung aus Kriegsberichterstattung, Karneval und Kapitalismuskritik für Ahnungslose. Das sind die drei „K“ des Börsenberichts in der ARD. Alle Vorurteile, die ohnehin umgehen, werden hier nur verstärkt. So wie das Fernsehen es macht, sollte man es lieber lassen. Denn keiner fragt mal vor laufender Kamera, ob die Aktienkurse nicht vielleicht doch die wirtschaftliche Lage widerspiegeln. Wirklich intelligente Erklärungen hört man aus der Frankfurter ARD-Redaktion leider nicht.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Gefreut habe ich mich mal wieder über eine Seite in der „Zeit“, die viele ihrer regelmäßigen Leser meiner Meinung nach leider gar nicht zur Kenntnis nehmen: Die letzte Seite, versteckt hinter den vielen Stellenanzeigen für C-3-Professoren und Sprachtherapeuten. „Zeitläufe“, das klingt altmodisch. Aber diese historischen Miniaturen, fast immer mit einem aktuellen Aufhänger, findet man in der gesamten deutschen Presselandschaft nur dort. Mit Liebe gemacht, anschaulich geschrieben, immer überraschend. Oder wussten Sie, dass es zwei Päpste mit dem n Johannnes XXIII gab?

Bernd Ziesemer ist Chefredakteur des Handelsblattes.

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