Medien : Kurzmeldungen

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Worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Der Aufreger der Woche war geschmacklos, und er kam gleich am Montag: Der unsinnige, nur durch Verbitterung und Rachegelüste erklärbare Schröder-Brüning-Vergleich von Oskar Lafontaine, transportiert durch seine „Bild“-Kolumne. Was folgte, waren Tage voll absurder Anspielungen: Arnulf Barings Gerede von der „DDR Light“ in der „FAZ“ und schließlich die Tirade des CSU-Generalsekretärs Thomas Goppel, der SPD- Wähler als politische Irrläufer bezeichnete, deren Vorfahren bereits den Nazis zur Macht verholfen hätten. Allen Vergleichen gemeinsam ist der Flirt mit dem Gedanken, Deutschland befinde sich irgendwie auf Kurs in Richtung Diktatur. Sind bei den Autoren alle Sicherungen durchgebrannt? Derartige Vergleiche und die eifrigen Tiraden in Dutzenden von Leitartikeln bilden eine hysterische Geräuschkulisse, die jede sinnvolle Reform- Debatte übertönt. Vielleicht will die ja keiner mehr hören.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Die gelungene Titel-Gestaltung von „Time“: Weißer Hintergrund, im Zentrum der verblichene Kopf von Bin Laden, darunter die schlichte Zeile: „Why can’t we catch him?“ – „Warum können wir ihn nicht fangen?“ Das US-Magazin nimmt den Groll vieler Amerikaner über ihre Regierung auf, die sich in der Irak-Frage verzettelt, statt den mutmaßlichen Chef-Terroristen zu jagen. Und eines meiner Lieblings-Features im Internet: Man findet es auf der Homepage der „New York Times“ unter „Pictures of the Times“. Die Bilder der Woche, ausgewählt von deren Fotoredaktion, mit einem Audio-Kommentar unterlegt, der dem Leser in drei knappen Sätzen Entstehung und Komposition des Bildes erklärt. Vorbildlich.

Mathias Müller von Blumencron ist Chefredakteur von „Spiegel online“.

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