Medien : Kurzmeldungen

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Herr Fröhder, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Beschämend fand ich die große Zahl von spekulativen Meldungen über die „Affäre Friedman“. Da schreibt der „Spiegel“ eine Auflagen steigernde Titelgeschichte über Menschenhandel, und bereits auf der ersten Doppelseite wird jenes PaparazzoFoto abgedruckt, mit dem sich schon Tage zuvor die „Bild“ ihren Platz als Boulevardzeitung abgesichert hatte. Die Suggestivwirkung dieses Fotos in einer Reportage voller Sex und Crime ist gewollt, hatten doch in den letzten Wochen mehrere Titel des Magazins sich schlecht verkauft.

Die „Bild“-Zeitung ging einen anderen Weg: Zur Auflagensteigerung beschreibt sie alle kursierenden Gerüchte über Friedman. Immer unter Hinweis auf andere Zeitungen, man will sich ja nicht selber die Finger schmutzig machen und treibt die Heuchelei auf die Spitze. Warum, so frage ich mich, werden bei einem umstrittenen Moderator alle ethischen Regeln des Journalismus ignoriert. Bislang gibt es die windige Aussage von Prostituierten und Hinweise auf Kokaingenuss. Beides ist nicht strafbar. Doch die Presse hat ihr Urteil ohne Recherche längst gefällt. Der Stammtisch lässt grüßen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Entlarvend, und damit eine wichtige Hintergrundinformation, war die am vergangenen Mittwoch gezeigte ARD-Dokumentation: „US-Kampfpiloten unter Drogen“. Die Rekonstruktion eines todbringenden Fluges unter dem Einfluss von offiziell verabreichtem „Speed“ war gut gemacht und zählt zu den journalistischen Grundaufgaben. Der ARD war sie erst ein Sendeplatz um 23 Uhr wert. Bedauerlich.

Christoph Maria Fröhder arbeitet als Reporter für die ARD. Zuletzt berichtete er als nicht eingebetteter Korrespondent während des letzten Golfkrieges aus dem Irak.

ZU MEINEM ÄRGER

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