Medien : Kurzmeldungen

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ZU MEINEM ÄRGER

Herr Scheck, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über den ausgebliebenen kollektiven Aufschrei zum Urteil im Fall von Maxim Biller und seinem Roman „Esra“ und die einstweiligen Verfügungen gegen Alban Nikolai Herbsts Roman „Meere“ – und über all die Artikel und Sendungen, in denen diese Autoren in einen Zusammenhang mit dem Schandmaul Dieter Bohlen gerückt wurden. Gleichgültig, wie gelungen einem diese beiden Romane erscheinen mögen, für wie fein oder unfein man das literarische Verfahren dieser beiden Autoren halten mag, das Verbot dieser Bücher wäre eine Niederlage für die Literatur insgesamt.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Aber ja: über die verlogenen Rituale der Abscheu, die verquälten Igitts und geheuchelten Pfuipfuis vieler deutscher Kinokritiker angesichts der Gewaltszenen in Quentin Tarentinos intelligentem Film über Gewalt und Geschlecht „Kill Bill“ und die ebenso unglaubwürdigen Lobeshymnen für den öden Pflichtsieg „Das Wunder von Bern“.

Denis Scheck ist Literaturredakteur des Deuschlandfunks und moderiert die Sendung „Druckfrisch“ in der ARD.

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