Medien : Kurzmeldungen

-

Herr Kalkreuth, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Eine Sauerei von gemeingefährlichem Ausmaß ist das, was sich der nur noch zu 52 Prozent vorhandene SPDGeneralsekretär Olaf Scholz mit der „taz“ diese Woche erlaubt hat: Die führt mit Scholz ein Interview, und der tut hinterher so, als wenn’s nicht stattgefunden hat. Die Fragen waren ihm offenbar nicht schleimig genug, oder er hat gemerkt, dass er in einer Situation steckt, die diese Art von Antworten nicht zulässt. Aber so etwas wagen sich nicht nur Politiker: Der selbstgefällige Jürgen Flimm gab mir in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Bühnenvereins ein TV-Interview und wurde wegen einiger Fragen von einem Tobsuchtsanfall heimgesucht, so dass ich mir seinen Speichel vom T-Shirt wischen musste. Er wollte die Ausstrahlung des Interviews verhindern, was ihm nicht gelang. Das presserechtlich vormoderne Gehabe, Interviews hinterher nach Belieben zu verunstalten, hat epidemie-artige und damit Demokratie gefährdende Ausmaße angenommen.

Gibt es auch etwas worüber Sie sich freuen konnten?

Klar! Genial fand ich schon zum wiederholten Mal „Da Ali G. Show“ auf Viva. Im knallgelben Trainingsanzug traktiert Ali G. in Rapper-Manier Politiker und Unternehmer mit schön gemeinen Fragen. Das hat nicht nur extremen Unterhaltungswert, sondern ist Politikvermittlung der höheren Art, weil sie etwas aufdeckt: Diese Woche meldete sich Ali G. bei einer Heiratsvermittlung in den USA. Frage der Agentin: „Bevorzugen sie eine bestimme Rasse?“ Ali G.: „Nein, bloß bitte keine Juden.“ Die Heiratsvermittlerin: „Okay, keine Juden!“ Bei Ali G. lernt man also immer etwas über Menschen, die auf dieser Welt tatsächlich noch rumspringen.

Ulf Kalkreuth ist Moderator des neuen Kulturmagazins „Stilbruch“ des RBB-Fernsehens.

ZU MEINEM ÄRGER

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben