Medien : Kurzmeldungen

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ZU MEINEM ÄRGER

Herr Groebel, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Nein, über „Big Brother: Der Klassenkampf“ habe ich mich diese Woche noch nicht geärgert. Fand ich beim Anschauen eher langweilig. Aber die Erregung kann ja noch kommen… Wenn wieder mal Unterdrückung und Demütigung offen zur Volksbelustigung eingesetzt werden. Irgendwie werde ich nämlich das Gefühl nicht los, dass da beim Casting solche Kriterien zu hören sind wie „Mensch, den müssen wir nehmen, der hat ja voll die AsiVisage und wird den Laden ordentlich aufmischen“. Aber in Wirklichkeit arbeitet ja ein hochmotiviertes, hochverantwortungsvolles Team unter der Leitung eines gewissen Herrn (Diplom-?)Psychologen Schmitz sorgsam an der Selektion der richtigen, ein wenig durchhaltefähigen Kandidaten für den Klassenkampf Mensch gegen Mensch. Komisch, irgendwie habe ich die Ziele für unseren Job als Psychos anders in Erinnerung. Da ging es um so Dinge wie Verbesserung des seelischen Befindens oder Achtung der Menschenwürde, zum Beispiel auch von Arbeitslosen und ledigen Müttern, deren Notlage niemand ausschlachten sollte. Auweia, jetzt werde ich schon wieder zum anmaßenden Volkserzieher, wie mich ein „Tagesspiegel“-Feuilleton-Glossist diese Woche schimpfte. Wie gut, dass mich andere Gazetten gleich zum Rächer der Nation machen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Zum Beispiel über die unglaublich gut gemachten Videoclips von Incubus oder den Beatsteaks. Oder „Sex and the City“. Oder den „Presseclub“. Und ein Überfreude-Plädoyer: Dringend „Six Feet Under“ schauen. Notfalls auf DVD. In jedem Fall in Originalsprache. Die tragikkomische TV-Serie über eine dysfunktionale Bestatterfamilie wird mit den „Sopranos“ kulturgeschichtlich mal neben „Buddenbrooks“ und „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ rangieren.

Jo Groebel ist Leiter des Europäischen Medieninstituts in Düsseldorf.

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