Medien : Länger arbeiten, langsamer sprechen

Wechselt vom Wochenende in die Spätschicht: Susanne Kronzucker freut sich aufs „RTL-Nachtjournal“

Joachim Huber

Heiner Bremer schlägt Harald Schmidt. Bremer wird im Januar 2004 zehn Jahre lang von Montag bis Freitag das „RTL-Nachtjournal“ moderiert haben, Schmidt kommt mit seiner „Late Night Show“ bei Sat 1 auf acht Jahre. Schmidt hat aufgehört, Bremer hört jetzt auf – aber das „RTL-Nachtjournal“ geht weiter. Heiner Bremer hat sich als ausgewiesener Print-Mann ins Privatfernsehen getraut und als Redaktionsleiter und Moderator das „Nachtjournal“ an die Spitze der nächtlichen Infosendungen gebracht, vor Sat 1 und vor der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz. Jetzt übergibt Bremer: die Redaktionsleitung an den Amerika-Korrespondenten Christof Lang, 42, der nach Köln kommt, die Moderation an Susanne Kronzucker, 38, die bereits in Köln arbeitet. Die Journalistin moderiert die RTL-Hauptnachrichten am Wochenende und vertritt RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel bei „RTL Aktuell“. Aus der Wochenendarbeiterin wird die Nachtarbeiterin Kronzucker, nach acht Jahren werden die „arbeitsfreien Wochenenden mit der Familie“ freudig begrüßt. Vom 5. Januar an beginnen die Arbeitstage um 16 Uhr und enden um ein Uhr Nacht. „Müsste ich mich zwischen Beruf und Familie entscheiden, würde ich nicht den Beruf wählen.“ Der Satz klingt schnell hingesprochen, weil die Entscheidung nicht ansteht. Aber überzeugend. Der Gesprächstermin mit Susanne Kronzucker gestern in Berlin wird zum Telefongespräch mit der Journalistin in Köln, eines der beiden Kinder ist erkrankt. Mit Lang hat sie verabredet, dass er in diesen Fällen wie auch für eine Woche im Monat die Moderation übernimmt.

Kronzucker spricht schnell, sehr schnell, und sie sagt, „ich muss künftig im ,Nachtjournal’ langsamer sprechen.“ In einem Interview wird sie mit der Formulierung zitiert, sie wolle das „Nachtjournal“ „peppiger“ präsentieren. Das korrigiert sie, sie habe „moderner, flotter“ gemeint, und sie erwartet von sich, dass sie im Vergleich mit Heiner Bremer „vor der Kamera sicher lockerer, aber genauso schnörkellos“ ist.

Susanne Kronzuckers Ambition geht dahin, nicht länger in einer fremden, sondern mit einer „eigenen Sendung“ zur reüssieren. „RTL aktuell, das ist Peter Kloeppel, RTL-Nachtjournal, das ist Heiner Bremer.“ Heraus aus fremden Schatten, heraus aus der Erbfolge. Zur Frage, ob die Nachfolge Heiner Bremers eine „Hypothek“ sei, sagt die studierte Politikwissenschaftlerin: „Ich trage schon ein Erbe mit mir herum. Ich kann damit umgehen.“ Susanne Kronzucker ist die Tochter des Fernsehjournalisten Dieter Kronzucker.

Peter Kloeppel, der stellvertretende RTL-Chefredakteur, formuliert die Parole für das „Nachtjournal“ nach Bremer: „Evolution, nicht Revolution“. Der Zuschauer ändere sich ja nicht, nur weil sich das Team ändere. Lang sagt, „um Mitternacht musst du wissen, warum du zuschaust, du kannst auch ins Bett gehen.“ Eine Hintergrundsendung sei unverändert das Ziel, nicht nur Wer, Was, Wo, sondern zudem Wie und Warum. Und wie lange? Susanne Kronzucker: „Ob’s zehn Jahre werden, entscheide ich erst in drei Jahren.“

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