Medien : Lale Andersen, besser bekannt als Lili Marleen

Thilo Wydra

Sie sind Idole, Mythen. „Legenden“ eben, wie die inzwischen 40 dokumentarische Porträts umfassende ARD-Reihe betitelt ist. Nun geht die ARD mit sechs neuen Dokus auf Sendung. Zum Auftakt porträtiert Britta Lübke Lale Andersen. Die nordische Kühle, sie wird seit jeher mit zwei Liedern verbunden: jenem 1941 gesungenen „Lied eines jungen Wachpostens“ für Lili Marleen, die Soldatenbraut unter der Laterne, das dann auch von Marlene Dietrich und später im gleichnamigen Fassbinder-Film 1980 von Hanna Schygulla interpretiert wurde. Und, 1959 dann, sang Lale Andersen den Sehnsuchts-Hit „Ein Schiff wird kommen“.

Auf internationalen Veteranentreffen wurde sie „zur Ikone der Völkerverständigung nach dem Krieg“, gefeiert als „The Original Singer of Lili Marleen“, doch selbst war sie von Unruhe und Rastlosigkeit getrieben. Geboren 1905 in Bremerhaven als Lise-Lotte Helene Berta Bunnenberg, verließ sie nach der Geburt des dritten Kindes Mann und Nachwuchs, ging in den 20er Jahren nach Berlin, um zu singen, eroberte Kabarettbühnen. In Zürich begegnete sie der großen Liebe ihres Lebens: Rolf Liebermann, Komponist jüdischer Herkunft. Auch in der Nazizeit hielt sie den Kontakt zu ihren jüdischen Künstlerfreunden aufrecht. Auftrittsverbot, Drohung, sie ins KZ zu verschleppen, Selbstmordversuch, Flucht auf die Nordseeinsel Langeoog.

Am 29. August 1972 starb Lale Andersen in Wien, mitten auf der Lesereise ihrer soeben publizierten Autobiografie „Das Leben hat viele Farben“; sie litt an einer schweren Leberinfektion, das mit den notwendigen Blutkonserven verdrängte sie manchmal. Das Telefonat mit Sohn Michael, der hierüber vor der Kamera erzählt, sollte das letzte sein. Er fragte noch, ob sie vor der Lesereise zur Bluttransfusion gewesen sei, sie wiegelte ab. Getriebenheit, Unruhe. Es war Andersens ausdrücklicher Wunsch, dass bei ihrem Begräbnis das Schicksalslied der „Lili Marleen“ gerade nicht gespielt wird. Es wurde dennoch gespielt – es gehörte zu ihr wie ihr Schatten. Thilo Wydra

„Legenden“, ARD, 21 Uhr

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