Langweiliges Fernsehen? : Nur jeder zehnte „Tatort“ ist neu

Aber das Gefühl, im Fernsehen liefen nur noch Wiederholungen, täuscht. Die Revival-Quoten sind stabil, bei der ARD liegt sie bei 30 Prozent, beim ZDF dagegen bei 38 Prozent

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Axel Milberg fahndet am Sonntag wieder in einem Wiederholungs-"Tatort".
Axel Milberg fahndet am Sonntag wieder in einem Wiederholungs-"Tatort".Foto: NDR/Marion von der Mehden

Am kommenden Sonntag läuft in der ARD um 20 Uhr 15 ein – Überraschung! – „Tatort“. Der aus Kiel, mit Axel Milberg, „Borowski und der stille Gast“. Dieser „Tatort“ ist eine Wiederholung, auch das keine Überraschung in der Windstille des Sommerfernsehens. Nach grober Rechnung ist im „Insgesamt“ des Reviews von erstem und dritten Programmen nur jeder zehnte „Tatort“ eine Premiere. Der mehr als tägliche Krimi nährt allerdings den Verdacht, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Wiederholungsmaschine sei.

Aber Gefühle sind keine Fakten. Nach Angaben der ARD-Medienforschung ist die Rate der wiederholten Sendeminuten im Ersten über die Jahre weitgehend stabil: 29 Prozent in 2011, 30 Prozent in 2012 und in 2013, 31 Prozent bislang in diesem Jahr.

Selbst im Juli, wenn die allgemeine Nachfrage nach Fernsehen sinkt, steigt die Quote der Wiederholungen nicht oder nur unwesentlich. Im Juli 2011 lag sie im ARD-Sektor bei 31 Prozent, 2012 nahm sie auf 34 Prozent, um ein Jahr später wieder auf 31 Prozent zu sinken. Für den Juli 2014 werden 34 Prozent an Wiederholungsminuten gemeldet. Wie diese sehr ähnlichen Quoten für den Juli wie für das Gesamtjahr zustande kommen, zeigt das Beispiel der großen Fiktion: Der unterdurchschnittliche Anteil an Eigenproduktionen wird durch das „Sommerkino“ der eingekauften Blockbuster mehr als aufgefangen.

Der andere öffentlich-rechtliche Sender, das ZDF, ist im Vergleich mit der ARD der größere „Wiederholungstäter“. Dort liegt die Programmrate im ersten Halbjahr 2014 bei 38,4 Prozent, nur geringfügig kleiner als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres mit 38,9 Prozent. Die aktuelle Zahl an „Wiederholungsminuten“ stellt in der Geschichte des ZDF seit dem Sendestart 1964 einen Spitzenwert dar. Er war nur 2001 mit 38,8 Prozent und nur 2013 mit 39,4 Prozent höher. Das ZDF hat sich im Wiederholungsmodus eingerichtet. Joachim Huber

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