Medien : Lasst 1000 Lügen blühen: Agentur KCNA wird 60

Harald Maass[Peking]

Als ein „masochistisches Vergnügen“ bezeichnete einmal ein politischer Beobachter in Asien die Lektüre der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Kein anderes Medium verbreitet eine solche Mischung aus Propaganda und Hasstiraden. In täglichen Berichten wettert KCNA gegen „US-Imperialisten“ und japanische „Blutsauger“. Trotzdem lesen Journalisten und Diplomaten jedes Wort aus Pjöngjang. KCNA, die in dieser Woche ihr 60-jähriges Jubiläum feiert, ist eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt etwas aus Nordkorea zu erfahren.

Die Korean Central News Agency (KCNA) wurde 1946 als Sprachrohr der kommunistischen Arbeiterpartei gegründet. Heute verbreitet die Agentur, die über eine Webseite in Japan zu lesen ist, täglich rund ein Dutzend Meldungen im englischen Dienst. Der Bau einer neuen Fabrik für Süßkartoffeln in der Nord Hwanghae Province ist dabei genauso wichtig wie eine Bücherspende mit „großartigen Werken“ der Kim-Führer an eine Universität in Guyana.

Mindestens einmal in der Woche berichtet die Agentur darüber, wie Kim Jong Il eine Fabrik oder eine Armeeeinheit besucht. Der Diktator erklärt Bauern, Wissenschaftlern und Militärs, wie sie ihre Arbeit verbessern können. „Auf der Stelle Erklärungen“ heißt das bei KCNA. Die Weisheit des „Lieben Führers“ ist dabei grenzenlos. Kim ist mal ein Experte für Feldbewässerung, in der Schusterei und neuerdings in der Aidsbekämpfung. Dank der „weisen Anleitung des Führers Kim Jong Il“ habe Nordkorea das Aids-Problem beseitigt, meldete KCNA Anfang der Woche. „Auf dieser Grundlage wurden Maßnahmen ergriffen, dass nicht ein einziger Aidsfall aufgetreten ist.“

Wenn es darum geht, den Kims zu huldigen, gibt es bei KCNA kaum Grenzen. Als Kim Jong Il die Führung der Arbeiterpartei übernahm, berichtete die Agentur über mysteriöse Naturphänomene. Mitten im Herbst seien „an einem Pfirsichbaum bei einer Fabrik in Pjöngjang weiße Blumen entstanden, die Schmetterlinge und Bienen anzogen“. Auch die Natur heiße das festliche Ereignis willkommen, jubelte KCNA.

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