Medien : „Lasst euch nicht verarschen!“

Weiter Streit um die TV-Gewinnspiele

Carsten Rave (dpa)

Nur noch wenige Sekunden, der Moderator kündigt den Countdown an, auf dem Bildschirm tickt unerbittlich die Uhr. Knackt jemand das Rätsel? Ist überhaupt jemand telefonisch zum Moderator vorgedrungen? Ein Szenario, das in etlichen Fernsehsendern zum Standard geworden ist. Gewinnspiele für 49 Cent pro Anruf sind eine beliebte Nebeneinnahme vieler TV-Veranstalter, die nicht mehr nur von Werbeeinnahmen leben wollen. Doch die Ratespielchen liegen manchmal hart an der Grenze des Betrugs, meinen die Medienwächter. Daher haben sie Vertreter der betroffenen Sender morgen zu einem sehr ernsten Gespräch gebeten.

Viele Zuschauer sind sich sicher, dass sie geneppt werden. „Wenn man wegzappt und nach einer Stunde immer noch dieselbe Aufgabe gestellt und immer noch von ,nur noch zehn Sekunden‘ geredet wird, dann kann das nur Betrug sein“, schrieb ein Blogger im Netz. Und fragte seine Zeitgenossen: „Warum ruft ihr an? Lasst euch nicht verarschen von diesen Profitgeiern!“ Ein anderer Blogger definierte die 49 Cent pro Anruf so: „Das ist eine GEZ-Gebühr für die Doofen.“

Seit Herbst 2005 gibt es einen Katalog von Regeln, auf den sich die Programmveranstalter und Medienwächter geeinigt haben. Doch offenbar reicht er nicht aus. Die Gemeinsame Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz der Landesmedienanstalten hat zunächst zwei kritische Punkte ausgemacht, mit denen Sender wie 9live, DSF, Viva auf Kriegsfuß stehen: „Es wird immer noch hoher Zeitdruck aufgebaut – das ist dem Katalog zufolge verboten“, sagt Sprecher Peter Widlok. „Außerdem sind Fragen und ihre Auflösung oft sehr intransparent, unlogisch und nicht nachvollziehbar.“ Die Medienwächter wollen die Regeln verfeinern. Aber auch die Sender werden einen „Maßnahmenkatalog“ vorlegen, der unter anderem die Chancengleichheit der Anrufer und die „Gewinn-Transparenz“ verbessern soll. Es geht um viel Geld: Das Marktforschungsinstitut Goldmedia hat ausgerechnet, dass durch „Call-Dienste“ via TV nach rund 450 Millionen Euro 2005 im Jahr 2010 bis zu 600 Millionen Euro umgesetzt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar