Late Night Talk : Versuch und Irrtum

„Schmidt & Pocher“ sind jetzt auf Sendung. Aber es wird noch einige Zeit brauchen, bis sie mehr bieten als die Addition ihrer Witze oder eine flotte Nummernrevue.

Bernd Gäbler
Schmidt Pocher
Prominenz zum Auftakt: Günther Jauch war als Unterstützung für die erste Sendung von Harald Schmidt Oliver Pocher zu Gast. -Foto: dpa

Tandem, ungleiche Brüder oder Herr und Knecht – diese Rollenmodelle boten sich an. Wie selbstverständlich präsentierten sich Harald Schmidt und Oliver Pocher bei ihrer Premiere als Meister und Lehrling. Demgemäß ließ es sich Schmidt nicht nehmen, die Sendung – als habe sich nichts geändert, nicht einmal der Vorspann – mit einem Standup-Solo zu eröffnen. Lustlos wirkte Schmidt nicht. Pointen bot er zur Genüge, nicht alle zündeten. So signalisierte er aber, dass der Wortwitz sein Metier bleibt. Also bekam der Lehrling zwar einen eigenen Auftritt, der aber die Physis zu betonen hatte. Als müsse er unterstreichen, dass er aus der Welt der Jugend und des Pop stammt, hatte Oliver Pocher etwas angestrengt eine Art Michael-Jackson-Breakdance einstudiert. Eine Parodie war das nicht. Noch einige Zeit lang prustete und kicherte er schier vor Begeisterung darüber, dass es ihn nun tatsächlich auf dieses für ihn neue Show-Niveau getragen hatte.

Der Lehrling brachte Boulevardgeschichten mit. Etwas halbherzig und nie wirklich böse wurden die Trennungen der Woche durchgespielt. Besser abgestimmt als die Pointen-Kooperation war die Kleiderordnung: Schmidt trug Sommeranzug mit Krawatte, Pocher T-Shirt unterm Anzug. Klar war, dass die Bildungsdifferenzen zu bespielen waren: So bekam es Pocher mit der „Zeit“ zu tun und einer Alexander-Kluge-DVD-Sammlung mit historisch interessanter Biermann-Poesie zu Stammheim, die freilich verpuffte. Dann kannte er weder Franziska noch Martin Walser. Dafür war es Schmidt, der später lautstark „Ficken“ sagen durfte.

Es gab einige Running Gags, die man aber nicht wirklich frei laufen ließ – zu Kurt Beck, dem legendären Retter der SPD, der mitten ins Trennungschaos versetzt wurde, sowie die ganz hübsche Idee eines Naz-o-Mats, der bei heiklen Wörtern wie „Autobahn“ oder „Gasherd“ Warnsignale gab. Hier beließen es Schmidt und Pocher bei einer vorsichtigen „Als-ob-Provokation“.

Der angekündigte „satirische Wochenrückblick“ wurde – so ist es wohl in diesem selbstreferenziellen Medium – im wesentlichen ein Fernsehrückblick. Fast alles wurde durchgehechelt: „Bauer sucht Frau“, eine etwas längliche Parodie auf das „Promi-Pilgern“, der Schuldnerberater, Krimi-Schüsse und Länderspiel-Glocken. Das war viel „TV total“ und wenig Satire. Wogegen bei gehöriger Pointenfrequenz nichts einzuwenden wäre. Tatsächlich aber ging in der Fülle auch die Relevanz flöten. Es gab Zeiten, da glaubte man, Schmidt nicht verpassen zu dürfen. So ein Gefühl wollte sich jetzt nicht einstellen.

Dazu mag beigetragen haben, dass viele Einspieler – sie behandelten eine Bahn-Strike-Card, das Wochenende von Sabine Christiansen ebenso wie die Verfilmung einiger auf der Bühne durchaus zündender Gags des Medizin-Komödianten Eckart von Hirschhausen – schlampig produziert, also überflüssig waren.

Es wird einige Zeit brauchen, bis Schmidt und Pocher mehr bieten als die Addition ihrer Witze oder eine flotte Nummernrevue. Noch gibt es keine Entscheidung über Witzniveau und die Balance zwischen Klamauk und Bedeutung. Fast ängstlich vollgestellt war zur Premiere das Programm. Immer wieder wurden Ideen, etwa eine ZDF-„Morgenmagazin“-Parodie oder auch der schöne Begriff „Menschen-Couch“ für ein Anne-Will-Möbel, nur angetippt, nicht ausgespielt. In der Fußballsprache: Die Spieler dribbelten viel, aber kamen kaum zum Abschluss. Vor allem konnte sich Harald Schmidts legendäres Können, das Spiel mit Zeit und Publikumserwartungen, so nicht entfalten. Gleichwohl blieb er der Taktgeber. Richtig frei spielte sich Pocher erst, als er Lukas „Poldi“ Podolski und Oliver Kahn parodieren durfte. Da war er in seinem Element, da wurde Potenzial sichtbar.

Am Ende tauchte noch Günther Jauch auf, sah aus wie ein Vertreter von „C&A“, setzte ein, zwei Pointen, hielt aber eine sichere Distanz zum Geschehen. Herzerfrischend geradlinig fragte Pocher, ob Jauch immer noch in die ARD wolle.

Das versprochene, stellenweise heiß erwartete Fernsehereignis boten Schmidt und Pocher noch nicht. Es war eher eine Probesendung, ein Tasten, ein Versuch mit vielen Irrtümern. Jetzt müsste man richtig an der Sendung arbeiten. Vielleicht hat Harald Schmidt ja Lust dazu.

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