Laut, lauter, am lautesten : Thilo Sarrazin schafft sie alle

Gibt Henryk M. Broder aus Protest einen Preis zurück, den er tatsächlich nie bekommen hat?

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Henryk M. Broder
Henryk M. BroderFoto: dpa

Die Beschäftigung mit Thilo Sarrazin, Buchautor und Ex-Bundesbanker, treibt oft wilde Blüten. Eine davon hat Henryk M. Broder gepflückt. Der Publizist will einen Journalistenpreis des Deutschen Kulturrats zurückgeben. Problem: Nach Ansicht von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer der Organisation, wurde diese Auszeichnung niemals an Broder verliehen. Einen Preis für die in der ARD ausgestrahlte Reihe „Entweder Broder – Die Deutschlandsafari“ mit Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad habe die zuständige Redaktion des HR bekommen. Der HR bestätigte dem epd, dass er nicht beabsichtige, die Auszeichnung zurückzugeben. Dem Tagesspiegel sagte Broder: „Die haben die Redaktion, die Produktion und die beiden Kasper, also Hamed und mich, ausgezeichnet. Also kann ich meinen Anteil an dem Preis zurückgeben. Was die anderen machen, ist deren Sache.“

Die „Welt“, deren Autor Broder ist, hatte zuvor berichtet, dass Broder „seinen Journalistenpreis“ an den Kulturrat zurückgebe. In einem offenen Brief erregt sich der Publizist über die Kritik Zimmermanns an einem ZDF-Beitrag über Sarrazin, der am Freitag in „Aspekte“ ausgestrahlt werden soll. Zimmermann hatte erklärt: „Es ist wirklich mehr als peinlich, wenn ein renommiertes Kulturmagazin es offensichtlich nötig hat, einen solch vorhersehbaren Eklat zu inszenieren.“ Wer Sarrazin unter filmischer Beobachtung durch Kreuzberg und Neukölln schicke, kalkuliere mit „wütenden Reaktionen“. Sarrazin war unter anderem aus einem türkischen Lokal verwiesen worden.

Broder formuliert seinerseits an Zimmermann: „Peinlich in diesem Zusammenhang ist nicht der Besuch Sarrazins in Kreuzberg und der Versuch des ZDF, das Ereignis zu dokumentieren, peinlich ist nur Ihre unsägliche Stellungnahme, mit der Sie sich auf die Seite des Pöbels stellen, der in Teilen von Kreuzberg mittlerweile das Sagen hat.“

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