Medien : Laut und links

Peter Sodann, Schauspieler und Kulturaktivist, wird 70

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„Ich hatte immer schon eine große Klappe“, sagt der Schauspieler Peter Sodann. Außer, dass sie groß ist, hat er sie auch nie gehalten. „Ich durfte in der Grundschule jeden Tag vor dem Unterricht ein Lied singen.“ Ob das den Weg zur Kunst, zur Schauspielkunst geebnet hat? Wohl mehr sehr indirekt. Peter Sodann, am 1. Juni 1936 in eine Arbeiterfamilie in Meißen hineingeboren, machte erst eine Lehre als Werkzeugmacher, dann studierte er an der Arbeiter- und Bauernfakultät, um nach dem Jurafach 1959 zur Theaterhochschule Leipzig zu wechseln.

Während des Studiums leitete er das Kabarett „Rat der Spötter“, das 1961 aufgelöst wurde. Wegen staatsfeindlicher Hetze wurde Sodann verhaftet, vom Schauspielstudium ausgeschlossen und war neun Monate in Haft. 1963 schrieb Sodann, der sehr hartnäckig sein kann, sich erneut an der Theaterhochschule ein. Sein erstes Engagement war 1964 beim Berliner Ensemble, bei Helene Weigel. Weitere Stationen: Bühnen in Erfurt, im heutigen Chemnitz, in Magdeburg und Halle. In der Saalestadt arbeitet Sodann seit 1980, dort hat er sein Lebenswerk geschaffen – aus einem heruntergekommenen DDR-Kino formte er unbeirrt von allen Hindernissen eine bundesweit einzigartige Kulturinsel mit mehreren Spielstätten. Bei den Kommunalpolitikern ist der Hallenser Ehrenbürger gefürchtet. Wehe, wenn die Kultur beschnitten werden soll, wehe, wenn einer nur routiniert-professionell arbeitet, dann erhebt er seine Stimme, auch seine Schauspielerkollegen schont er nicht.

Sodann will gehört werden. Getreu dem von ihm selbst gewählten Namen des „Tatort“-Kommissars Bruno Ehrlicher sagt er: „Ich will für mehr Gerechtigkeit eintreten und den Leuten ehrlich sagen, welches Unrecht uns droht“ und zieht mit seinen legendären „Mai-Reden und anderen Provokationen“ auf Lesereise durch ganz Deutschland.

Dabei präsentiert er dem Publikum aus seiner „roten Mappe“ auch Texte von Goethe, Schiller über Stephan Zweig und Erich Loest bis hin zu Anekdoten und Märchen. „Ich will mit meiner Art des Erzählens bei meinen Lesungen auch ein Stück zur besseren deutsch-deutschen Verständigung beitragen“, sagt Sodann, der seit frühester Jugend stets etwas zum Lesen in der Tasche stecken hat. Zeit vergeudet wird nicht, der tätige Mensch lebt sich in diesem Menschen aus.

Für einen Paukenschlag sorgte Sodann im Juli 2005. Er sollte für die neue Linkspartei als Spitzenkandidat in Sachsen bei der Bundestagswahl antreten. Nach zwei Tagen zog er die Kandidatur zurück. Er habe die ARD-Regeln, wonach Bewerber um ein politisches Mandat und Mandatsträger nicht mehr im Fernseh- und Hörfunkprogramm auftauchen dürfen, nicht gekannt. Da war ihm der „Tatort“-Kommissar“ Ehrlicher (am Sonntag mit einem neuen Fall in der ARD) dann doch näher. Sein Herz schlage aber unverändert links, „und die Natur hat das ja auch so eingerichtet“. Peter Sodann will eigenen Angaben zufolge 120 Jahre alt werden. Heute wird er erst einmal 70. jbh

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