Medien : Lauterbach als verzweifelter Vater

Der entführte Tobias Lunt ist ein Einzelkind, das ist in dem Thriller nicht ohne Bedeutung. Das einzige Kind, so die Grundannahme, wird besonders geliebt. Um seine Unversehrtheit wird besonders gekämpft. Als ob Familien mit mehr Kindern weniger am Einzelnen hingen. Für den Film ist diese Annahme wichtig, weil nur so das außergewöhnliche Verhalten der Eltern Ellen (Claudia Michelsen) und Robert (Heiner Lauterbach) plausibel bleibt. Die Angst vor dem Verlust des Kindes treibt sie an, auch die Angst vor eigenen Schuldgefühlen. Der Vater bestand darauf, dass Tobias an seinem Geburtstag zum Klavierunterricht geht. Die Mutter ließ Tobias auf der Straße warten. Als sie zurückkam, war er verschwunden.

Es sind diese Verlustängste der wohlhabenden Ein-Kind-Familie im Eigenheim, die der Grimme-Preisträger Harald Göckeritz als Antriebskraft für den spannend konstruierten Entführungsfall nutzt. Roberts Vater ist Unternehmer, doch Robert hat sich für eine akademische Karriere entschieden. Als Mann mit klaren Wertvorstellungen, der von seinen Prinzipien in Extremsituationen nicht abrücken will. Lauterbach erweist sich als passende Besetzung. Claudia Michelsen spielt sehenswert eine Mutter, die ihren Sohn mehr liebt als alles auf der Welt, mehr als sich selbst, wie Robert seiner Frau vorhält. Im letzten Drittel nimmt der Film eine ungewöhnliche Wendung, aus dem klassischen Entführungskrimi wird eine Art Kammerspiel, ein Psychoduell zwischen mutmaßlichem Entführer und den Eltern. tgr

„Die Entführung“, Arte, 20 Uhr 40

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