Le Monde und Sarkozy : Einmischung von oben

Nicolas Sarkozy macht das, was er am liebsten tut – er mischt sich in Angelegenheiten der Medien ein. Jetzt in Sachen Rettung der Traditionszeitung "Le Monde".

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Was kostet die Welt? Das 1944 gegründete Blatt leidet wie andere Printmedien unter der Flaute auf dem Werbemarkt und sucht einen Investor. Foto: dpa
Was kostet die Welt? Das 1944 gegründete Blatt leidet wie andere Printmedien unter der Flaute auf dem Werbemarkt und sucht einen...Foto: dpa

Bei einem Telefonat und bei einem Treffen im Élysée-Palast machte Frankreichs Präsident vergangene Woche gegenüber dem Herausgeber der Pariser Zeitung „Le Monde“, Eric Fottorino, seiner Abneigung gegen drei Investoren Luft, die sich als mögliche künftige Mehrheitsaktionäre zur Rettung des hoch verschuldeten Weltblatts bereit erklärt haben. Dabei soll Sarkozy, wie das Wochenmagazin „Le Point“ berichtet, auf Fottorino auch „Pressionen“ ausgeübt haben. Die Subventionen für die „Monde“-Druckerei, den größten Verlustbringer der Zeitung, könnten fortfallen, so Sarkozy, sollten die fraglichen Kapitalgeber den Zuschlag erhalten. Vor Journalisten seiner Zeitung bestätigte Fottorino am vergangenen Donnerstag die Intervention des Präsidenten.

„Le Monde“ droht Zahlungsunfähigkeit, wenn sie bis Juli nicht 100 Millionen Euro frisches Kapital erhält. Bei den Investoren, die den Unwillen Sarkozys provozierten, handelt es sich um den Kulturmäzen Pierre Bergé, den Bankier Mathieu Pigasse und den Internetunternehmer Xavier Niel. Von ihnen stammt eines der beiden Angebote, die „Le Monde“ bis zum Ablauf der Bieterfrist am Freitag vorgelegt wurden. Das Angebot ist mit dem Engagement verbunden, sich „langfristig“ für die Existenz der Zeitung und ihre publizistische Unabhängigkeit als „wertvollstes Gut“ zu verbürgen.

Bergé ist ein Sympathisant der Linken. Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 finanzierte er den Wahlkampf der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal. Pigasse ist Partner der Investmentbank Lazard, ein enger Vertrauter des früheren sozialistischen Finanzministers Dominique Strauss-Kahn, den Sarkozy auf den Posten des Direktors des Internationalen Währungsfonds fortlobte und der ihm im Präsidentschaftswahlkampf 2012 zu einem gefährlichen Gegner werden könnte. Die größte Abneigung empfindet der Präsident gegen Niel. Er ist Sponsor der sarkozykritischen Webseite „Mediapart“. Reich wurde er mit dem „Minitel rose“, einem Kupplerdienst. Für Sarkozy ist er ein „Peepshow-Mann“.

Das andere Angebot reichte der Verleger der Zeitschrift „Le nouvel observateur“, Claude Perdriel, mit einem Partner ein. Dessen Identität wurde nicht genannt. Perdriel verspricht, die Unabhängigkeit der „Monde“-Redaktion zu garantieren. Der Italiener Carlo de Benedetti („La Repubblica“) und der Schweizer Ringier-Verlag („Blick“) zogen ihr Interesse zurück. Die spanische Prisa-Gruppe („El País“), die bereits 15 Prozent an „Le Monde“ hält und derzeit selbst unter einem riesigen Schuldenberg ächzt, bat um eine Fristverlängerung bis September. So viel zusätzliche Zeit wird der am Montag tagende „Le Monde“-Aufsichtsrat kaum zugestehen können, wenn die Finanzierung bis Ende des Monats stehen soll.

Alle Spekulationen, wer Perdriels ungenannter Partner ist, laufen auf Orange hinaus, die Internet- und Mobilfunktochter von France Télécom. Ihr Hauptaktionär ist der Staat, ihr Chef Stéphane Richard. Er hat sein Vermögen in der Privatwirtschaft gemacht und war Kabinettsdirektor von Finanzministerin Christine Lagarde, ehe er an die Spitze von Orange wechselte. Er ist ein alter Freund Sarkozys. Vermutet wird ein Schachzug des Präsidenten, als Richard vergangene Woche überraschend Interesse an einem Einstieg des Mobilfunkriesen als „industrieller Partner“ bei „Le Monde“ bekundete.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Sarkozy Einfluss auf die Medien zu nehmen versucht. Immer wieder ruft er Chefredakteure an, um Kommentare zu kritisieren, in denen er seine Politik nicht angemessen gewürdigt sieht. Beim Sender TF1 setzte er die Absetzung eines unliebsamen Moderators durch. Per Gesetz sicherte er sich das Recht, die Präsidenten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks höchstpersönlich zu nominieren. So überrascht es nicht, dass er auch bei „Le Monde“ intervenierte. Doch die Einmischung aus dem Élysée-Palast könnte genau das Gegenteil bewirken. Das letzte Wort darüber, wer bei „Le Monde“ künftig Hauptaktionär sein wird, hat nicht der Herausgeber. Es steht den Journalisten und anderen Mitarbeitern der Zeitung zu, denen 52 Prozent der Kapitalanteile gehören. Sie wissen, dass sie künftig nur noch Minderheitseigner sein werden und damit ihre Vorrechte verlieren, wenn ein Investor ihre Zeitung rettet.

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