Medien : Leben und Tod

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IM RADIO

Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Mutter liebt die unberührte Natur. Ihre Tochter sucht nach der wahren Natur des Weiblichen. Der Vater beklagt die zunehmende Entfremdung des Menschen von seinen natürlichen Wurzeln. Und der Sohn sorgt sich sehr um eine naturgemäße Ernährung. Autor Michael Rutschky hat die ganze Sippe zu einer Familienkonferenz versammelt. Am häuslichen Tisch ringen sie um das richtige Verständnis dessen, was Natur eigentlich ist. Jedes Familienmitglied hat da seine ganz persönlichen Gewissheiten. „Die Freunde und die Feinde der Natur“ heißt Rutschkys listiger Essay, in dem die Argumente zum wahren Naturbegriff munter aufeinander prallen. Bis auch der letzte Hörer ahnt, dass Natur vor allem ein Diskursphänomen ist. Eine rhetorische Finte. Eine strategische Waffe im ideologischen Schlagabtausch. Was wirklich Natur ist, bleibt ewig hinterm Schleier der Maya verborgen. Genau deshalb streiten die Menschen ja so engagiert darüber (Kulturradio, 11. Dezember, 22 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Notärzte gelten trotzdem als Kenner der menschlichen Natur. Eilen sie zu Herzkrisen, Hirnausfällen und Blutverlusten, wissen sie um die Elementarbedürfnisse unserer Existenz. Notärzte sind Spezialisten in den Grauzonen zwischen Leben und Tod. „Grenzgänger“ , wie Helmut Kopetzky in seinem Feature behauptet. Kopetzky hat Notärzte auf ihren Dienstwegen begleitet. Was Beobachtern als Kette tragischer Schicksalsschläge erscheint, sind für den Notarzt Arbeitsaufgaben, die nach einer exakten und schnellen Lösung suchen. Medizinische Fakten, von deren emotionaler Brisanz er sich nicht überwältigen lassen darf (Deutschlandradio, 10. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Vor knapp drei Jahrzehnten überraschte der Philosoph Wolfgang Harich die DDR-Obrigkeit mit seiner Wandlung zum Naturschützer. Harich hatte in den Fünfzigern eine intellektuelle Oppositionsgruppe angeführt und war wegen messerscharfer Staatskritik ins Gefängnis gesteckt worden. Nun versuchte er die Grüne Bewegung in die DDR zu holen. Erste Forderung an die Regierung in Ostberlin: Einstellung der Spraydosenproduktion. Wahrscheinlich war der vor genau 80 Jahren geborene und 1995 verstorbene Harich der Verwirrendste unter den Dissidenten der DDR. Matthias Eckoldts schönes Porträt „Mit Schirm, Charme und schar fer Zunge“ erinnert an den charismatischen Pulverkopf (Kulturradio, 7. Dezember, 14 Uhr 05).

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