Medien : Lebenskünstler und Pfennigfuchser

Tom Peuckert

Ein paar Jahrtausende lang haben unsere Vorfahren gemeinsam mit dem Neandertaler die Erde bewohnt. Dann starb der Urmensch aus und der Homo sapiens wurde zum Herren der Welt. Niemand weiß, ob und wie sich die beiden Menschengruppen damals begegnet sind. In ihrem Feature „Überlebenskünstler der Eiszeit“ erzählt Peggy Fuhrmann alles Wissenswerte über den aktuellen Stand der Neandertalerforschung. Was uns mit dem archaischen Gesellen verbindet und was uns von ihm trennt. Wie er seinen Alltag gelebt hat. Welche Hypothesen über sein Ende im Moment plausibel scheinen (Deutschlandradio Kultur, 20. Juli, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz)

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Überall im sommerlichen Europa laufen jetzt musikalische Festivals. Erlesenes Publikum trifft sich an ausgesuchten Orten, um schöne Musik zu hören. Salzburg, London, Wien, Bayreuth, um nur die prominentesten Orte zu nennen. Auf der Bodenseeinsel Mainau werden die alljährlichen Schlosspark-Konzerte veranstaltet. Eine romantische Nacht in den üppigen Blumengärten der Insel gehört ganz allein dem Komponisten Robert Schumann. Die Pianistin Hélène Grimaud spielt sich durch die Evergreens des Meisters, auch der hochgelobte Klarinettist Jörg Widmann ist mit von der Partie. Wer das alles nicht live erleben kann, darf zumindest am Radio schmachten (Kulturradio, 20. Juli, 20 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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Vor gut 80 Jahren haben Bankdirektoren den „Weltspartag“ erfunden, um das inflationsgeschädigte Volk wieder an ihre Schalter zu locken. Die Deutschen ließen sich nicht lange bitten, nirgendwo sonst in der Welt wurde privat so viel gespart. Erst in jüngster Zeit scheint sich die monetäre Moral ein wenig zu lockern. Unter dem launigen Titel „Strümpfe, Schweine und Tresore“ widmen Regina Kusch und Andreas Beckmann eine ganze Radionacht der sozioökonomischen Bedeutung des Sparens. Auch über die Psychologie des Sparers wird ausgiebig debattiert. Wir hören Mitglieder von Sparclubs und professionelle Schuldnerberater, Bankexperten und Bankenkritiker, listige Pfennigfuchser und notorische Verschwender (Deutschlandradio Kultur, 22. Juli, ab 0 Uhr 05).

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Es gab Zeiten in unserer Kultur, da war Linkshändigkeit ein Tabu. Kinder, die beim Schreiben ihre „böse Hand“ gebrauchten, wurden bestraft. Heute sind wir liberaler, neigen sogar zur mythischen Aufwertung des Phänomens. Jede prominente Hand, die ihre Autogrammkarte mit links signiert, scheint den Genieverdacht zu bestätigen. Lang ist die Liste berühmter Linskhänder: Leonardo, Beethoven, Chaplin, Heiner Müller. „Das schiefe Leben“ heißt ein Feature von Ursula Weck, das der Linkshändigkeit gewidmet ist. Eine kleine Kulturgeschichte des rechten und unrechten Gebrauchs unserer Handwerkzeuge, Gespräche mit Experten und natürlich Auskünfte von notorischen Linkshändern (Kulturradio, 22. Juli, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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Wie kein zweiter Künstler seiner Generation hat der 1944 geborene Autor, Maler und Theaterregisseur Einar Schleef die Tragödie der eigenen Biografie mit den Abgründen der deutschen Geschichte in Beziehung gebracht. Die blutige Komik der deutschen Teilung und die Absurdität einer Kindheit in der ostdeutschen Provinz. Der barbarische Untergrund unserer Nationalhistorie und die routinierte Gewalt, die das psychisch labile Genie Schleef im Alltag erlebte. In seinem Feature „Mein Lieblingsautor bin ich selbst“ erzählt Wolfgang Storch von Leben und Werk dieses Extremkünstlers (Deutschlandradio Kultur, 22. Juli, 18 Uhr 05).

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